Astrologie

Dekan

Ein Dekan ist eine Unterteilung eines Tierkreiszeichens in drei gleich große Abschnitte von je 10° (insgesamt also 36 Dekane im ganzen Tierkreis von 360°). Jedes Tierkreiszeichen hat drei Dekane: erster Dekan (0°–9°59′), zweiter Dekan (10°–19°59′), dritter Dekan (20°–29°59′). Jeder Dekan wird traditionell von einem eigenen Planeten regiert und färbt die Energie des Zeichens auf eine spezifische Weise. Das Dekansystem stammt aus der ägyptisch-hellenistischen Astrologie und ist eines der ältesten Werkzeuge zur Verfeinerung der Tierkreis-Deutung.

Ursprung

Die Dekane stammen ursprünglich aus dem alten Ägypten — schon im Mittleren Reich (ca. 2000 v. Chr.) wurden sie als 36 Sternengruppen am südlichen Himmel beobachtet, deren Aufgang die Nachtstunden markierte. Jeder Dekan entsprach einer Sterngottheit, die etwa zehn Tage lang den Himmel beherrschte. Auf den Sarkophagen des Neuen Reichs und in Tempeldecken (Dendera-Zodiakus) finden sich diese Dekan-Figuren ausführlich dargestellt. Die Ägypter zählten 36 × 10 = 360 Tage, plus 5 zusätzliche Tage, zu einem Jahr.

Die hellenistische Astrologie übernahm das Dekansystem und kombinierte es mit dem Tierkreis: drei Dekane je Zeichen. Die hellenistischen und arabischen Astrologen entwickelten zwei verschiedene Zuordnungssysteme. Im Triplizität-System (chaldäische Ordnung) wird jeder Dekan von einem Planeten in der Reihenfolge der Wochenplaneten regiert (Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond, Saturn,...). Im Triplizitäts-Element-System regieren die drei Dekane eines Zeichens die drei Planeten desselben Elements. Mehr in deinem Geburtshoroskop.

Funktion in der Astrologie

Jeder Dekan färbt das Tierkreiszeichen spezifisch. Im chaldäischen System gilt etwa für Widder: erster Dekan (Mars) — pure Widder-Energie, kämpferisch und impulsiv; zweiter Dekan (Sonne) — selbstbewusster, königlicher Widder mit Löwe-Färbung; dritter Dekan (Venus oder Jupiter, je nach System) — diplomatischerer, beziehungsorientierter Widder. Für Krebs: erster Dekan (Mond) — pure Krebs-Energie; zweiter Dekan (Mars/Pluto) — intensiver, skorpionisch gefärbter Krebs; dritter Dekan (Jupiter/Neptun) — mystisch-philosophischer, fischeartiger Krebs.

Im Triplizitäts-Element-System (heute öfter verwendet) regieren die drei Dekane eines Zeichens die drei Zeichen desselben Elements. Beispiel Löwe (Feuer): erster Dekan Löwe-Löwe (pure Löwe-Energie), zweiter Dekan Löwe-Schütze (philosophischer, weitschweifender Löwe), dritter Dekan Löwe-Widder (impulsiver, kämpferischer Löwe). Beide Systeme sind in Gebrauch und liefern unterschiedliche aber sich ergänzende Färbungen.

In der Praxis

In der praktischen Deutung schaust du nach dem Dekan, in dem ein wichtiger Planet (besonders Sonne, Mond, Aszendent) steht. Steht deine Sonne bei 8° Stier, bist du ein „erster-Dekan-Stier" — pure Stier-Energie. Steht sie bei 15° Stier, bist du ein „zweiter-Dekan-Stier" — Stier mit Jungfrau-Färbung (im Triplizitäts-Element-System) oder Stier mit Merkur-Färbung (chaldäisch). Beide Lesarten ergänzen sich.

Im Tarot werden die 36 Pip-Karten (Zwei bis Zehn jeder Suite, also 9 × 4 = 36 Karten) traditionell den 36 Dekanen zugeordnet — eine Zuordnung, die besonders durch den Golden Dawn (Hermetischer Orden, 19. Jh.) systematisiert wurde. Die Drei der Stäbe entspricht dem ersten Dekan Widder (Mars in Widder), die Vier der Stäbe dem zweiten Dekan Widder (Sonne in Widder), und so weiter. Diese Verbindung zwischen Tarot und Astrologie macht die Dekane zu einem mächtigen Werkzeug der esoterischen Tradition. Tagesimpulse im Tageshoroskop.

Symbolische Tiefe

Symbolisch sind die Dekane die 36 Wächter der Zeit. In der ägyptischen Tradition waren sie 36 Götter, die je 10 Tage des Jahres bewachten und der jeweiligen Phase eine besondere Qualität gaben. Sie waren die feineren Schwingungen unter den groben Tierkreisschwingungen — die Mikro-Energien innerhalb der Makro-Energien. Wer mit Dekanen arbeitet, arbeitet mit größerer Präzision: nicht „du bist Stier", sondern „du bist Stier mit Jungfrau-Färbung im zweiten Dekan".

Im hermetischen Buch Picatrix (10. Jh., arabisch, später lateinisch) sind 36 Dekan-Bilder ausführlich beschrieben — magische Talismane, die in bestimmten planetarischen Konstellationen hergestellt werden konnten. Die Dekane wurden zum Mittel der praktischen Magie. In der Renaissance, besonders bei Marsilio Ficino und in Agrippa von Nettesheim, blieben sie ein wichtiges Element der gelehrten Astrologie. C.G. Jung sah in den 36 Dekanen ein Bild des differenzierten Selbst — die Vielfalt innerhalb der Einheit. Tiefer betrachtet sind die Dekane die Schule der Feinheit: das Selbst lernt, dass nicht alle Skorpione gleich sind, dass die zehn Tage nach dem 23. Oktober eine andere Qualität haben als die zehn Tage davor. Mehr im Glossar und unter Astrologie.

Auch bekannt als

  • Dekanat
  • Dekan-Herrscher
  • 10°-Abschnitt
  • Ägyptische Dekanate
  • Tierkreis-Dekan

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