Astrologie

Sextil

Das Sextil ist einer der fünf klassischen ptolemäischen Aspekte und gilt als sanft unterstützender, gelegenheitseröffnender Aspekt. Es entsteht, wenn zwei Planeten am Himmel im Winkelabstand von 60° stehen (mit einem zulässigen Orbis von 4-6° für die meisten Astrologie-Schulen, manchmal bis 8° für Lichter). Die Planeten stehen dabei in Zeichen kompatibler Elemente — Feuer und Luft (z.B. Widder und Zwillinge) oder Erde und Wasser (z.B. Stier und Krebs). Astrologisch bedeutet es Gelegenheit, Kooperation und sanften Fluss.

Ursprung & Klassifikation

Das Sextil gehört zu den fünf "ptolemäischen" Aspekten, mathematisch ableitbar als 360° / 6 = 60°. In der traditionellen Astrologie galt das Sextil als kleinerer beneficus, glücksbringender Aspekt, schwächer als das Trigon, aber in dieselbe Richtung wirkend. Die hellenistische Astrologie unterschied schon zwischen den "starken" Aspekten (Konjunktion, Opposition, Quadrat, Trigon) und den "schwächeren" wie Sextil — das Sextil ist nicht zwingend; es bietet eine Möglichkeit, die ergriffen werden muss.

Die Element-Kombination beim Sextil ist ihr Merkmal: anders als das Trigon, das Gleiches verbindet, verbindet das Sextil Verschiedenes, das sich gegenseitig bestärkt. Feuer und Luft nähren einander (Luft fördert das Feuer); Erde und Wasser ergänzen einander (Wasser macht Erde fruchtbar). Diese Komplementarität gibt dem Sextil seinen besonderen Charakter: nicht Identität, sondern Kooperation. Mehr in deinem Geburtshoroskop.

Wirkung & Charakter

In der Wirkung erzeugt das Sextil Möglichkeitsfelder: zwei Funktionen, die sich gegenseitig erleichtern, ohne dass es zwingend so kommen muss. Eine Sonne-Merkur-Sextil ist ohnehin selten möglich (Merkur entfernt sich nie weit von der Sonne), eine Mond-Uranus-Sextil verleiht emotionale Beweglichkeit und Originalität, eine Venus-Jupiter-Sextil begünstigt soziale und finanzielle Gelegenheiten.

Der Charakter des Sextils ist einladend, nicht zwingend. Während das Trigon einfach geschieht, will das Sextil genutzt werden — wer untätig bleibt, vergibt die Gelegenheit. Dies macht das Sextil zu einem Aspekt der bewussten Wahl. Die moderne Astrologie sieht im Sextil oft den interessantesten der harmonischen Aspekte: er belohnt Initiative, ohne zu zwingen wie das Quadrat. Reife heißt, die Sextile als Chancen zu erkennen und sie nicht zu verschlafen.

In der Praxis

In der Praxis identifizierst du Sextile, indem du nach Planeten suchst, deren Zeichen zwei Plätze auseinanderliegen (z.B. Widder und Zwillinge sind zwei Zeichen voneinander entfernt). Der genaue Längengrad-Abstand muss zwischen 54° und 66° (60° ±6°) liegen. Berechne dein Geburtshoroskop, um Sextile in deiner Karte zu sehen.

Wichtig sind besonders Konfigurationen mit Sextilen: Drei Planeten, die in Trigon, Sextil und Trigon zueinander stehen, bilden einen Kite (Drachen) — eine sehr begünstigte Figur. Drei Planeten in zwei Sextilen mit dem Mittelpunkt-Planeten und einer Opposition zwischen den äußeren bilden einen kleinen Glücksdreieck. Im Transit zeigen Sextile von Jupiter günstige Phasen für Lernen, Reisen, Verträge. Im Synastrie-Vergleich erzeugen Sextile zwischen zwei Menschen freundliche Resonanz — sie sind oft die Basis von Freundschaften, die zur Liebe werden, weil das Verständnis vor der Anziehung kommt. Aszendent mit Sextilen prägt freundlich-zugängliche Außenwirkung. Tageshoroskop unter Tageshoroskop.

Symbolische Tiefe

Symbolisch ist das Sextil das archetypische Bild des Hexagramms — der sechszackigen Stern, der aus zwei ineinander verschränkten Dreiecken entsteht (eines nach oben, eines nach unten). Der Davidstern oder Salomonsstern ist eines seiner Erscheinungsbilder, ebenso das Hexagramm der hermetischen Tradition als Bild der Vereinigung von Oben und Unten, von Geist und Materie. Der pythagoräische Sechstakt galt als die Zahl der Schöpfung — der biblische Schöpfungsbericht zählt sechs Tage.

Jung verstand harmonische, aber nicht zwingende psychische Verbindungen als kreative Möglichkeiten, die das bewusste Ich aufgreifen kann. Astrologisch ist dies das Werk des Sextils: es schenkt nicht, es bietet an. Im Tarot entspricht ihm die Karte Die Liebenden (VI) im Sinne der bewussten Wahl, auch der Magier (I) als Verbindung verschiedener Werkzeuge. Alchemistisch entspricht das Sextil der Phase, in der die getrennten Elemente langsam zueinander finden, ohne sich zu verlieren. Wer seine Sextile nutzt, lebt aktiv, nicht passiv. Siehe auch Quinkunx im Glossar.

Auch bekannt als

  • Sextile
  • 60°-Aspekt
  • Hexagon
  • Gelegenheitsaspekt
  • Sextus

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