Siebtes Haus
Das Siebte Haus ist das Haus der Beziehungen, der Partnerschaft, der Ehe und der offenen Verträge. Seine Spitze ist der Deszendent (DC) — jener Punkt am westlichen Horizont, der dem Aszendenten genau gegenüberliegt. Das Haus zeigt den signifikanten Anderen: den Ehepartner, den Geschäftspartner, aber auch offene Feinde. Es entspricht dem Zeichen Waage und seinem Herrscher Venus. In allen Hausssystemen — Placidus, Equal, Whole Sign — ist das Siebte Haus ein Winkel-Haus und damit besonders wirksam.
Ursprung
In der hellenistischen Astrologie hieß das Siebte Haus Dysis — der „Untergang" — weil hier die Sonne abends untergeht. Es war eines der vier Kentra (Winkel-Häuser) und galt als außerordentlich wirkungskräftig. Manilius und Vettius Valens beschrieben es schon im 1.–2. Jahrhundert als das Haus des Ehepartners, der Geschäftspartner und der offenen Auseinandersetzungen. Bezeichnenderweise schloss es immer beides ein: den Geliebten und den Feind — der „signifikante Andere" ist nie nur freundlich.
Im Mittelalter wurde es Uxor (Ehefrau) oder Maritus (Ehemann) genannt. Die moderne Astrologie hat den Begriff erweitert: jede tragende Beziehung „auf gleicher Augenhöhe" gehört ins Siebte Haus, also auch Therapeut–Klient, Anwalt–Mandant, Geschäftspartnerschaften. Im Gegensatz zum freien Verlieben des Fünften Hauses geht es im Siebten um vertragsmäßige, dauerhafte Bindung. Mehr in deinem Geburtshoroskop.
Funktion im Horoskop
Das Siebte Haus zeigt das Du, das im Ich gespiegelt wird. Während das Erste Haus dein eigenes Auftreten zeigt, beschreibt der Deszendent, was du im Anderen suchst — und oft auch, was du im eigenen Schatten trägst. Du wirst zu Partnern angezogen, die das verkörpern, was du selbst nicht lebst. Sein Zeichen färbt den Typus des Partners: ein Schütze-Deszendent zieht philosophisch-abenteuerliche Partner an, ein Steinbock-Deszendent reife, strukturgebende Partner. Das Siebte Haus regiert auch öffentliche Verträge, Gerichtsprozesse und offene Auseinandersetzungen.
Funktional bildet das Siebte Haus mit dem Ersten Haus die horizontale Achse des Horoskops — die Achse zwischen Selbst und Anderem. Beide Pole bedingen einander: nur wer ein eigenes Ich hat, kann eine Beziehung führen, und nur wer in Beziehung steht, weiß, wer er selbst ist. Planeten im Siebten Haus zeigen, welche Energien du in den Anderen projizierst: Mars im Siebten Haus zeigt kämpferische Partner und Beziehungen voller Konflikt; Saturn hier zeigt ältere, strenge Partner oder späte, ernsthafte Bindungen; Neptun zeigt idealisierte, oft entzogene oder verschwommene Beziehungen.
In der Praxis
Du beginnst mit dem Zeichen am Deszendenten. Ein Löwe am DC zeigt einen Wunsch nach strahlenden, königlichen Partnern; ein Krebs am DC zeigt Sehnsucht nach geborgenen, fürsorglichen Beziehungen. Anschließend prüfst du Planeten im Siebten Haus und Aspekte zum Hausherrscher (Planet des DC-Zeichens). Aspekte zwischen dem Hausherrscher und persönlichen Planeten zeigen, wie integriert dein Beziehungsverhalten mit deiner Persönlichkeit ist.
Häufige Konstellationen: Sonne im Siebten Haus zeigt einen Menschen, der sich vor allem in Beziehung erlebt und ohne Partnerschaft sich unvollständig fühlt; Pluto hier zeigt schicksalhafte, transformative Partnerschaften, oft mit Macht-Themen; Jupiter im Siebten Haus zeigt expansive, oft mehrere oder ausländische Partner und gerne öffentliche Ehrungen durch den Partner. Transite, besonders Saturn oder Pluto durch das Siebte Haus, markieren Phasen tiefer Beziehungswenden — Bindungen, Trennungen, Vertragsabschlüsse. Tagesimpulse im Tageshoroskop.
Symbolische Tiefe
Symbolisch ist das Siebte Haus die Schwelle des Anderen — der Moment, in dem das Selbst aufhört, allein zu sein, und die Welt als ein Du erfährt. Im Bild des Sonnenuntergangs am DC liegt das Geheimnis: das Selbst sinkt, das Andere steigt. Beziehung ist der Tod des isolierten Ich. Im hellenistischen Bild war der Deszendent auch der Ort des Todes — und tatsächlich verlangt jede tiefe Beziehung kleine Tode des Ego.
Im Tarot entspricht das Siebte Haus den Liebenden (VI) — der Akt der Wahl, die Verbindung zweier Menschen — und der Gerechtigkeit (XI oder VIII, je nach Deck) — dem Bild der Waage, des Vertrags, der Balance. Auch die Zwei der Kelche trägt siebte-Haus-Qualität: zwei, die einander den Becher reichen. C.G. Jung würde hier den Anima/Animus-Archetyp erkennen — das innere Bild des anderen Geschlechts, das im realen Partner gesucht und gefunden wird. Tiefer betrachtet ist das Siebte Haus die Schule der Beziehung: das Selbst lernt, dass es nur durch das Du zu sich selbst kommt. Mehr im Glossar und unter Astrologie.
Auch bekannt als
- DC-Haus
- Beziehungs-Haus
- Partner-Haus
- Dysis
- Uxor
- Vertrags-Haus