Wassermann
Der Wassermann (lat. Aquarius) ist das elfte Zeichen des Tierkreises und umfasst den Zeitraum vom 20. Januar bis zum 18. Februar. Sein moderner Herrscher ist Uranus, sein klassischer Herrscher Saturn; sein Element ist Luft, seine Modalität fix. Trotz seines Namens und seines Wassergusses ist der Wassermann ein Luftzeichen — das Wasser, das er ausgießt, ist Erkenntnis, kein Element. Sein Glyphe stellt zwei parallele Wellenlinien dar; sein Körperbereich umfasst Unterschenkel, Knöchel und Kreislauf. Mehr im Geburtshoroskop.
Ursprung & Mythos
Das Sternbild Wassermann gehört zu den ältesten überlieferten Konstellationen — schon babylonische Tafeln zeigen den Wasserträger GU.LA, "der Große". In Ägypten verband man das Sternbild mit der Nilflut, die jedes Jahr im Februar einsetzte und das Land mit Fruchtbarkeit überschwemmte. Im griechischen Mythos wurde es zum Bild des Mundschenks Ganymed, eines schönen Jünglings, den Zeus in Adlergestalt entführte, um ihn zum Schenken der Götter am Olymp zu machen — die Wellenlinien sind dann der Nektar, den er ausgießt.
Der klassische Herrscher Saturn verband das Zeichen mit Strenge und idealischer Ordnung. Erst mit der Entdeckung des Uranus 1781 (in zeitlicher Nähe zur Französischen Revolution und zur amerikanischen Unabhängigkeit) wurde dieser als moderner Herrscher zugeordnet — passend zum Charakter des Zeichens als Vorbote von Brüchen, Erwachen und Utopien. Astrologisch trägt der Wassermann seither die Doppelqualität: Saturn legt das Gerüst, Uranus durchbricht es. Diese Spannung zwischen Form und Freiheit ist sein Wesen.
Eigenschaften & Schatten
Wassermann-Menschen gelten als originell, freiheitsliebend, humanistisch, gesellschaftlich engagiert und intellektuell unabhängig. Sie denken vom Möglichen her, nicht vom Gewohnten; sie schließen Freundschaften eher mit Gleichgesinnten als mit Verwandten und stellen das Wohl des Ganzen über die persönliche Bequemlichkeit. Als fixes Luftzeichen halten sie ihre Überzeugungen mit großer Beharrlichkeit, auch gegen Mehrheiten. Ihre Farbe ist Türkis, elektrisches Blau, ihr Metall Aluminium oder Uran; ihre Sphäre ist die Wissenschaft, das Netzwerk, die Bewegung, die Reform.
Im Schatten erscheinen Kühle, Distanz, Rebellion ohne Plan und das Vermeiden persönlicher Tiefe zugunsten abstrakter Ideen. Der Wassermann kann sich aus Beziehungen abstrahieren, weil er die Menschheit so liebt; er kann seine Andersartigkeit zur Identität machen und dadurch unfrei werden. Sein polares Gegenüber ist der Löwe, der die persönliche Strahlung vertritt — eine Achse zwischen Wir und Ich, zwischen Zukunft und Gegenwart. Reife im Wassermann heißt, das Universale durch das Persönliche hindurchzulassen.
In der Praxis
Im Geburtshoroskop zeigt die Sonne im Wassermann eine Identität, die sich über Originalität, Freiheit und gesellschaftliche Vision verwirklicht. Mond im Wassermann braucht emotionale Freiheit und Freundschaften auf Augenhöhe, leidet unter klammernden Bindungen. Aszendent Wassermann verleiht ein eigenwilliges, modernes, oft kühles Erscheinungsbild; ermittle deinen Aszendenten für genauere Hinweise zu deiner Außenwirkung.
Das elfte Haus — dem Wassermann zugeordnet — regiert Freundschaften, Gruppen, Hoffnungen, gesellschaftliche Visionen und Netzwerke. Wo Wassermann im Horoskop steht, dort wirst du das Ungewöhnliche tun. Aspekte des Uranus zu persönlichen Planeten erzeugen Brüche und Erwachen; Saturn-Aspekte verleihen dauerhafte Reformkraft. Klassische Sympathien hat der Wassermann mit den Luftzeichen Zwillinge und Waage sowie mit den Feuerzeichen. Sein Aufkommen kennzeichnet das viel diskutierte "Wassermann-Zeitalter", die langsame Verschiebung des Frühlingspunkts. Tagesthema im Tageshoroskop.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht dem Wassermann die Karte Der Stern (XVII) — eine nackte Frau, die Wasser aus zwei Krügen über Land und Wasser gießt, während über ihr ein achtzackiger Stern leuchtet. Beide Bilder teilen die Geste des Ausgießens, des Schenkens an die Welt aus einer Quelle, die nicht ich selbst bin. In der kabbalistischen Zuordnung steht der Wassermann für den hebräischen Buchstaben Tzaddi, "Angelhaken", oder in einigen Systemen He ("Fenster"), je nach Schule.
Jung deutete den Wassermann-Archetyp als die kollektive Schicht des Selbst, jene Bewusstseinsregung, die das Individuum mit der Menschheit verbindet, ohne darin aufzulösen. Alchemistisch entspricht das Zeichen der Phase nach der Vollendung des persönlichen Werks, in der das Gewonnene in das Allgemeine zurückgegeben wird. Der Wasserträger gießt nicht Wasser aus, weil er es nicht braucht, sondern weil seine Quelle unerschöpflich ist. Wer Wassermann lebt, lernt: das Eigenwilligste ist oft das Allgemeinste. Mehr Begriffe im Glossar und unter Astrologie.
Auch bekannt als
- Aquarius
- Wasserträger
- Ganymed
- Luftzeichen
- GU.LA