Brigid
Brigid (altirisch Brigit, walisisch Ffraid, gallisch Brigantia; 'die Erhabene') ist die keltische Göttin des Feuers, der Schmiedekunst, der Heilkunst, der Dichtkunst, der Mutterschaft und der heiligen Quellen. Sie ist eine der wichtigsten Göttinnen Irlands, dreifaltig in den Aspekten Dichterin, Heilerin und Schmiedin, und überlebte den christlichen Übergang als Heilige Brigida von Kildare. Ihr Fest Imbolc am 1. Februar markiert den Beginn des keltischen Frühlings.
Mythos und Ursprung
Brigid gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten keltischen Gottheiten. Ihr Name geht auf das urkeltische *Briganti ('die Hohe, Erhabene') zurück und ist sprachlich verwandt mit dem englischen bright und dem Sanskrit Brihat (groß, erhaben). Sie wurde unter dem Namen Brigantia bei den Briganten Nordbritanniens, als Brigindo in Gallien, als Brig in Irland verehrt - eine pan-keltische Gottheit der gesamten Inseln und des keltischen Festlandes. Die wichtigsten Quellen sind das Lebor Gabála Érenn ('Buch der Eroberungen Irlands', 11. Jahrhundert), das Cormac's Glossary (Cormacs Glossar, 9.-10. Jahrhundert) und die Cath Maige Tuired ('Schlacht von Mag Tuired').
Im irischen Mythos ist Brigid die Tochter des Dagda ('der Gute Gott'), des Vatergottes der Tuatha Dé Danann. Sie ist verheiratet mit Bres dem Schönen, Halb-Fomore und Halb-Tuatha. Ihr Sohn Ruadán wurde im Krieg von Goibniu, dem Schmied der Tuatha, erschlagen - bei seinem Tod erfand sie die Caoineadh, die rituelle Totenklage, die in Irland bis ins 20. Jahrhundert von Klagefrauen bei Beerdigungen gesungen wurde. Sie ist eine dreifaltige Göttin (Brigid Trídagh): Brigid die Dichterin, Brigid die Heilerin, Brigid die Schmiedin - das dreifache Wesen ist nicht drei verschiedene Schwestern, sondern drei Aspekte derselben Göttin. Ihr Hauptkultort war Kildare (irisch Cill Dara, 'Kirche der Eiche'), wo bereits in vorchristlicher Zeit ein heiliges Feuer brannte, das später als christliches Kloster weitergeführt wurde - mit einem ewigen Feuer, das bis zur englischen Reformation 1540 von 19 Nonnen ununterbrochen unterhalten wurde.
Attribute und Geschichten
Brigids Attribute sind reich an Symbolik: das ewige Feuer, das in Kildare brannte und das Inbegriff inspirierten und heilenden Lichts ist; die Schmiede-Esse mit Amboss und Hammer (handwerkliche Schöpferkraft); der Hexenbesen und die Brigid-Kreuze (geflochten aus Binsen, Schutz-Symbole, die noch heute am Imbolc in irischen Haushalten geflochten werden); die weiße Kuh oder die weiße Schlange als ihre Tierform; die heiligen Quellen (Holy Wells), die ihr im gesamten Irland geweiht sind - allein in Kildare gibt es mehrere; das Saatfeld der Imbolc-Lämmer (Imbolc bedeutet wörtlich 'im Bauch' und bezieht sich auf die trächtigen Mutterschafe).
Berühmte Mythen und Bräuche: Brigid wird in der Cath Maige Tuired als Erfinderin der Caoineadh-Totenklage beschrieben. Sie schuf das fled goibnenn, das Festmahl der Schmiede, und die Tonalsprache des Pfeifens. In der christlichen Übergangszeit wurde sie zur Heiligen Brigida (453-525), eine der drei Schutzheiligen Irlands neben Patrick und Columba. Die Hagiographie der Heiligen Brigida übernimmt fast alle mythologischen Züge der Göttin: das ewige Feuer, die Kuh, die heilenden Wunder, die Speise-Vermehrungen. Imbolc, ihr Festtag am 1. Februar, wurde christianisiert zu Mariä Lichtmess am 2. Februar - das Licht-Symbol blieb erhalten. Bis heute ist der 1. Februar in Irland gesetzlicher Feiertag - 2023 wurde er offiziell als St. Brigid's Day eingeführt und damit die einzige Frau in den irischen nationalen Feiertagen.
Im modernen Kontext
Brigid ist eine der wichtigsten Göttinnen der modernen Wicca- und Neo-Druiden-Bewegung. Die Order of Bards, Ovates and Druids (gegründet 1964 von Ross Nichols) verehrt sie besonders. In der irischen feministischen Spiritualität ist sie als triumphierende einheimische Göttin, die das Patriarchat in der christlichen Form überlebte, eine Ikone. In Kildare wurde 1993 das Feuer der Brigid von den Brigidine Sisters wieder entzündet - eine Aktion, die sowohl katholische Schwestern als auch zeitgenössische Neopaganinnen ehrt und neue Brigid-Wallfahrten auslöst. Auch in der globalen Künstler-, Heiler- und Hebammen-Community ist Brigid populär. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Brigid zugewiesen bekommt, hat oft Berufungen in Heilung, Kunst, Handwerk, Geburtsbegleitung, Poesie, Pflege oder Aktivismus für Frauen und Kinder.
Astrologisch verbindet sich Brigid mit Sonne (Feuer, Inspiration, Licht), mit Mars (Schmiedefeuer, kämpferischer Schutz), und mit Widder (Frühlingsanfang, Februar/März). In der vedischen Astrologie zeigt sich eine Verwandtschaft mit Sarasvati (Wissen, Künste) und Lakshmi (Wohlstand). Ihr heiliger Tag ist Imbolc (1./2. Februar), die astronomische Mitte zwischen Wintersonnwende und Frühlings-Tagundnachtgleiche - einer der vier Cross-Quarter Days des keltischen Jahres. In der modernen Wicca-Praxis werden Brigid-Kreuze, Kerzen-Rituale, Brigit-Brote und Quellen-Rituale durchgeführt. In therapeutischen Settings ist Brigid die Patronin der Selbstheilung durch Kreativität.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Brigid Die Hohepriesterin (Arkanum II) als heilige Quelle weiblicher Weisheit und als Hüterin der Feuer-Geheimnisse; Die Herrscherin (III) als kreative Mutter und Künstlerin; Der Stern (XVII) als Spenderin von Inspiration und himmlischer Klarheit; und teilweise Die Mäßigkeit (XIV) durch ihr alchemistisches Heilwesen, das Feuer und Wasser (Schmiede und Quelle) verbindet. Ihre Drei-Fältigkeit entspricht den Dreiergruppen vieler Tarot-Karten.
Jungianisch ist Brigid eine vollkommene Anima-Trinität: schöpferische Imagination (Dichterin), heilende Eros (Heilerin), strukturierende Logos-Kraft (Schmiedin). C. G. Jung sah in triplen Göttinnen den Ausdruck der weiblichen Tiefenpsyche in ihrer Vollständigkeit. Marie-Louise von Franz analysierte ähnliche Figuren im keltischen Märchengut. Mircea Eliade und Joseph Campbell verwiesen auf den universellen Topos der Schmiedegöttin als kosmische Schöpferin und Initiationsmeisterin. Kabbalistisch lässt sich Brigid mit der Sephira Tiphareth (Sonne, Heil, Schönheit, Herz) verbinden, sowie mit Geburah (Schmiede, Strenge, Feuer) und Hod (Merkur, Wort, Dichtkunst). Sie ist eine der wenigen Göttinnen, die durch Christianisierung hindurch lebendig blieben. Mehr Verbindungen unter Glossar-Hub und Dreifaltige Göttin.
Auch bekannt als
- Brigit
- Brighid
- Brigantia
- Ffraid
- Heilige Brigida