Mythologie

Thoth

Thoth (ägyptisch Djehuti) ist der ägyptische Gott der Weisheit, der Schrift, der Magie, des Mondes und der Zeit. Als göttlicher Schreiber zeichnet er beim Totengericht das Urteil auf und ist Erfinder der Hieroglyphen. In hellenistischer Zeit verschmolz er mit Hermes zu Hermes Trismegistos, dem mythischen Begründer der Hermetik und Alchemie.

Mythos und Ursprung

Thoth gehört zu den ältesten ägyptischen Göttern und erscheint bereits in den Pyramidentexten (etwa 2400 bis 2300 v. Chr.) als Mondgott und Schreiber. Sein Hauptkultort war Hermopolis Magna in Mittelägypten, das die Ägypter Khemenu (Achtstadt) nannten, denn dort verehrte man die Achtheit der Urgötter, deren Sprecher Thoth war. Eine Tradition macht ihn zum Selbstgeborenen, der aus den Wassern des Urozeans Nun aufstieg, eine andere zum Sohn des Ra, der aus dessen Stirn entstand.

Thoth wird in zwei Tiergestalten dargestellt: als Ibis, dessen geschwungener Schnabel der Mondsichel ähnelt, und als Pavian (heiliger Hundskopfaffe), der bei Sonnenaufgang die Sonne anbellt. Mumifizierte Ibisse wurden zu Hunderttausenden in den Katakomben von Saqqara, Tuna el-Gebel und Abydos als Votivgaben deponiert. Das Totenbuch (etwa 1550 v. Chr.) bezeugt seine Rolle bei der Geburt der Zeit: Er erstritt im Würfelspiel mit dem Mond fünf zusätzliche Tage (die Epagomenen), an denen Osiris, Isis, Seth, Nephthys und Horus der Ältere geboren werden konnten.

Attribute und Geschichten

Seine Attribute sind die Schreiberpalette, das Schreibrohr, die Mondscheibe mit Sichel auf dem Kopf und die Atef-Krone. Er ist der Erfinder der Hieroglyphen, der Sprache, der Mathematik, der Astronomie, der Heilkunde und der Magie. Als Herr der heiligen Worte bewahrt er die medu-netjer, die Sprache der Götter. Die Legende vom Buch des Thoth, einem geheimen Werk mit ultimativer Weisheit, hat die ägyptische Imagination tief geprägt - der demotische Setne-Chamwese-Roman (Ptolemäerzeit) erzählt vom katastrophalen Versuch, das Buch zu rauben.

Im Totengericht steht Thoth als Schreiber an der Seite des Osiris und notiert das Ergebnis der Herzwägung. Im Streit zwischen Horus und Seth fungiert er als Vermittler und Richter, sein Urteil ist immer maßvoll und gerecht. Bei der Verletzung des Horus-Auges durch Seth heilte er es wieder und schuf das Udjat-Auge, das vollständige Auge des Horus. Die Griechen identifizierten Thoth schon im 5. Jh. v. Chr. mit Hermes. Plato lobt ihn im Phaidros (274c-275b) als Erfinder der Schrift, äußert aber auch Sokrates' Bedenken gegen die Schrift, die das Gedächtnis schwächen könnte. In der Spätantike entstand das Corpus Hermeticum, eine Sammlung philosophisch-religiöser Texte, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden.

Im modernen Kontext

Die hermetische Tradition - benannt nach Hermes Trismegistos und damit Thoth - ist eine der wichtigsten Strömungen westlicher Esoterik. Aleister Crowley nannte sein berühmtes Tarot-Deck nach ihm Thoth Tarot (1944, mit Frieda Harris). Die Hermetik mit ihren sieben Prinzipien ('Wie oben, so unten') hat im 20. Jahrhundert einen enormen Einfluss auf die New-Age-Bewegung und moderne Magierschulen.

Astrologisch wird Thoth mit dem Merkur verbunden, dem Planeten der Schrift, des Lernens und der Kommunikation. Auch der Mond gehört zu ihm, denn er ordnete den Mondkalender und die Schaltungen. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Thoth zugewiesen bekommt, hat häufig eine Berufung zum Schreiben, Lehren, Übersetzen oder zur magischen Praxis und sammelt Wissen aus vielen Traditionen.

Symbolische Tiefe

Im Tarot entspricht Thoth vor allem Der Magier (Arkanum I), dem Beherrscher des geschriebenen Wortes und der elementaren Werkzeuge, sowie Der Hierophant (V) als Hüter der heiligen Lehren. Das Gericht (XX) trägt Thoths Schreiber-Funktion vor dem Totengericht.

Esoterisch ordnet die Kabbala Thoth der Sephira Hod (Glanz, Merkur, Magie, Sprache) zu, dem Sitz des Intellekts und der hermetischen Künste. Symbolisch lehrt Thoth, dass das Wort die Welt formt und dass wahre Weisheit aus der präzisen Beobachtung und Aufzeichnung kosmischer Muster entsteht. Die Alchemie ist sein direktes Erbe. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub.

Auch bekannt als

  • Djehuti
  • Tehuti
  • Hermes Trismegistos
  • Herr von Hermopolis
  • Schreiber der Götter

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