Wasser (Element)
Das Element Wasser ist eines der vier Elemente der klassischen Astrologie und umfasst die Tierkreiszeichen Krebs, Skorpion und Fische. Wasser steht für Gefühl, Tiefe, Empathie, Intuition, Empfangen, Träume und alles, was sich unter der Oberfläche bewegt. Es ist das Element des Inneren, des Unbewussten, des Mit-Fühlens. Menschen mit starkem Wasser-Anteil sind empfindsam, mitfühlend, kreativ, oft auch melancholisch oder schutzbedürftig. Astrologisch entspricht das Wasser der Yin-Polarität: empfangend, formgebend, weiblich-passiv.
Ursprung
Das Wasser als Element ist Teil der griechischen Naturphilosophie seit Empedokles (5. Jh. v. Chr.). Aristoteles ordnete ihm die Qualitäten kalt und feucht zu — das Element des Fließens, der Formannahme, der Tiefe. In der mittelalterlichen Medizin entsprach Wasser dem Phlegma und dem phlegmatischen Temperament. Bei Thales von Milet (6. Jh. v. Chr.) ist Wasser sogar das Ur-Element, aus dem alles entsteht — eine Vermutung, die der moderne Befund vom „Wasser als Voraussetzung allen Lebens" nicht widerlegt hat.
In der hellenistischen Astrologie wurde das Wasser-Trigon (Krebs, Skorpion, Fische) als „Nacht-Trigon" bezeichnet und mit Mars als seinem Tag-Herrscher und Venus als seinem Nacht-Herrscher verknüpft. Die Wasser-Zeichen wurden als „weibliche" Zeichen gezählt — wegen ihrer empfangenden, formgebenden Qualität. In allen alten Traditionen — chinesisch, indisch, indianisch — ist Wasser eines der Grundelemente. In der Bibel schwebt der Geist Gottes über den Wassern; in der griechischen Mythologie ist die Welt von Okeanos umflossen. Mehr in deinem Geburtshoroskop.
Funktion im Horoskop
Im Geburtshoroskop berechnest du den Wasser-Anteil, indem du zählst, wie viele Planeten in Wasserzeichen stehen. Drei oder mehr Wasser-Planeten zeigen einen wässrigen Menschen — empfindsam, empathisch, oft medial, manchmal schutzbedürftig oder von Stimmungen geprägt. Wenige oder keine Wasser-Planeten zeigen einen Menschen, der mit Gefühlen kämpft, sich emotional schwer ausdrücken kann, oft sachlich oder distanziert wirkt — aber auch unabhängig von Stimmungen sein kann.
Die drei Wasserzeichen haben ihre Eigenarten: Krebs (kardinal): nährendes, schützendes Wasser — der Hafen, die Bucht, der Schoß. Skorpion (fix): tiefes, intensives Wasser — der See, der nicht abfließt, der dunkle Tiefen birgt. Fische (veränderlich): grenzenloses, mystisches Wasser — der Ozean, der alles aufnimmt, in dem das Selbst sich auflöst. Das Wasser-Element ist eng mit Mond (Krebs-Herrscher), Pluto (Skorpion-Herrscher modern, Mars klassisch) und Neptun (Fische-Herrscher modern, Jupiter klassisch) verknüpft.
In der Praxis
In der Praxis zeigt ein hoher Wasser-Anteil einen Menschen, der durch Gefühle lebt, intuitiv erkennt, was andere brauchen, oft therapeutisch oder künstlerisch begabt ist. Solche Menschen brauchen Rückzug, emotionale Sicherheit, kreative Räume. Schwächen können sein: zu starke Identifikation mit Stimmungen, Schwierigkeit, Grenzen zu setzen, Suchtanfälligkeit, Depression, das Aufsaugen fremder Emotionen.
Ein Wasser-Mangel zeigt sich als emotionale Distanz, Schwierigkeit, Gefühle zu zeigen oder zu erkennen, oft Sachlichkeit oder Härte. Solche Menschen sind oft erfolgreich im Beruf, aber kalt in Beziehungen; sie profitieren von Therapie, kreativer Beschäftigung, Beziehungen zu wässrigen Menschen. Im Gleichgewicht braucht das Wasser das Feuer (Lebendigkeit), die Erde (Form) und die Luft (Klarheit). Reines Wasser ohne andere Elemente versinkt; mit den anderen verbunden wird es zum Quell der Heilung. Tagesimpulse im Tageshoroskop.
Symbolische Tiefe
Symbolisch ist das Wasser das Element der Seele. Während die Erde der Körper, das Feuer der Geist und die Luft der Verstand ist, ist das Wasser die Psyche — der Bereich der Träume, der Bilder, der unbewussten Strömungen. Im Mythos ist das Meer der Ort, aus dem Aphrodite geboren wird (aus Schaum) und in dem Dionysos sich verbergen kann. In der hermetischen Tradition ist das Wasser das Mercurius philosophorum — das Quecksilber der Philosophen, der formbare Stoff, in dem die Transformation geschieht.
Im Tarot entsprechen die Wasserzeichen der Suite der Kelche (Becher, Coppe). Kelche zeigen Gefühl, Liebe, Verbindung, Imagination, mystische Erfahrung. Auch die Trumpf-Karten Hohepriesterin (II), Mond (XVIII) und Stern (XVII) tragen Wasser-Qualität. C.G. Jung hätte hier das Unbewusste erkannt — das tiefe Reservoir an Bildern, das jeden Menschen trägt. Tiefer betrachtet ist das Wasser die Schule des Mitgefühls: das Selbst lernt, dass es nicht allein ist, dass alle Wesen verbunden sind im großen Meer des Lebens. Wer sein Wasser zu lesen lernt, wird Hüter der Seele — der eigenen und der anderen. Mehr im Glossar und unter Astrologie.
Auch bekannt als
- Wasser-Trigon
- Phlegmatiker
- Yin-Element
- Seelen-Element
- Gefühls-Element
- Mercurius