Esoterik

Sakralchakra (Svadhisthana)

Das Sakralchakra (Sanskrit स्वाधिष्ठान, Svadhisthana, „eigener Wohnsitz") ist das zweite der sieben Hauptchakren. Es liegt im Unterbauch, etwa zwei Fingerbreit unter dem Nabel, im Bereich von Kreuzbein und Geschlechtsorganen. Seine Farbe ist orange, sein Element Wasser, sein Bija-Mantra VAM, sein Yantra ein silberner Halbmond auf weißem Lotus mit sechs Blütenblättern. Das Sakralchakra regiert Sexualität, Sinnlichkeit, Kreativität, Emotionen, Genuss, Beziehungsfähigkeit und das innere Kind. Ist es im Gleichgewicht, fließt das Leben — ist es blockiert, herrschen Lustlosigkeit, Schamgefühle oder zwanghafte Begierde.

Ursprung

Svadhisthana wird in tantrischen Texten ab ca. dem 10. Jahrhundert beschrieben, besonders in der Sat-Chakra-Nirupana und der Shiva Samhita. Der Name „eigener Wohnsitz" deutet darauf hin, dass die Kundalini auf ihrem Aufstieg hier erstmals ein „Zuhause" findet, nachdem sie aus Muladhara erwacht ist. Die zugeordnete Gottheit ist Vishnu als Erhalter des Lebens, sowie die Göttin Rakini. Das Element Wasser zeigt sich symbolisch in der amniotischen Flüssigkeit, im Blut und in den Geschlechtssäften — alles, was fließt und Leben trägt.

Im Westen wurde Svadhisthana ab Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Theosophie und durch Sir John Woodroffes The Serpent Power (1919) bekannt. Carl Gustav Jung sah in Svadhisthana den Übergang vom „Pflanzen-Bewusstsein" des Wurzelchakras zum „Tier-Bewusstsein" — das Erwachen von Begierde, Lust und Bewegung. Wilhelm Reichs Körperpsychotherapie (ab 1930er) und später Alexander Lowens Bioenergetik haben mit ähnlichen Vorstellungen gearbeitet, ohne den Sanskrit-Begriff zu verwenden: sie beschrieben das „Becken-Segment" als Sitz von Sexualität, Emotionen und „Orgon"-Energie.

Funktion und Themen

Das Sakralchakra regelt Lust, Sinnlichkeit, Emotionen und Kreativität. Es ist das Zentrum von allem, was Genuss bereitet — von der Sexualität über das Essen bis zur künstlerischen Schöpfung. Es ist auch das Chakra der Bindung: in einer Liebesbeziehung sind es vor allem die sakralen Energien, die zwei Menschen körperlich verbinden. Körperlich ist es mit den Geschlechtsorganen, der Blase, den Nieren (gemeinsam mit Muladhara), dem unteren Rücken und dem Hormonsystem (Eierstöcke, Hoden) verbunden.

Eine Blockade zeigt sich oft als sexuelle Probleme (Lustlosigkeit oder Zwanghaftigkeit), als emotionale Kälte oder andererseits als Gefühlsüberflutung, als Schwierigkeit, Genuss zuzulassen, oder als chronische Schuld- und Schamgefühle. Häufige Ursachen sind sexuelle Tabus, Trauma, restriktive Erziehung oder unverarbeitete Beziehungsverletzungen. Im Yoga-Sutra-System entspricht Svadhisthana der Pranamaya Kosha, der Hülle der Lebensenergie. In der Astrologie wird das Sakralchakra oft mit Venus und dem Mond verknüpft — beide stehen für Lust, Genuss und das Fließende. Mehr unter Solarplexus.

In der Praxis

Das Sakralchakra stärkt man durch Bewegung, vor allem fließende, hüftöffnende Bewegung: Bauchtanz, Schwimmen, Tango, Yoga mit Hüftkreisen. In der Yoga-Praxis sind Baddha Konasana (Schmetterling), Eka Pada Rajakapotasana (Taube), Gomukhasana (Kuhgesicht) und Anjaneyasana (tiefer Ausfall) wirksam. Mantra-Praxis: das VAM wird tief in den Unterbauch gesummt. Auch Wasser ist therapeutisch: warmes Baden, Schwimmen, Aufenthalt am Meer wirken ausgleichend.

In der Edelstein-Therapie werden orange Steine verwendet: Karneol, Orange Calcit, Mondstein, Sonnenstein. Düfte: Ylang-Ylang, Jasmin, Sandelholz, Orangenblüte. Eine offene Beschäftigung mit Sinnlichkeit, Tanz, Genuss, Erotik und kreativem Ausdruck heilt blockierte Energie — oft mehr als Therapie-Gespräche. Im Tarot symbolisieren Die Liebenden (VI), Die Herrscherin (III) und die Suite der Kelche Sakral-Energie. Auch Aphrodite-Themen berühren dieses Chakra. Mehr im Glossar.

Symbolische Tiefe

Symbolisch ist das Sakralchakra das Fließende im Menschen — die Schicht, die sich nicht starr zeigt, sondern bewegt. Wo das Wurzelchakra für die Erde steht, steht Svadhisthana für das Wasser, das alle Formen annehmen kann. Es ist das Chakra des inneren Kindes — jenes Anteils, der spielen will, Lust empfinden will, sich öffnen will. Wer hier blockiert ist, lebt oft technisch korrekt, aber freudlos. Wer hier fließt, hat eine Lebendigkeit, die andere ansteckt. Die Heilung des Sakralchakras ist die Heilung der Lebensfreude.

In der Kabbala entspricht das Sakralchakra der Sephira Yesod (Fundament) — dem astralen Reservoir, in dem alle Lebenskräfte zusammenströmen. Bei C.G. Jung steht es für die Anima bzw. den Animus — den seelisch-gegengeschlechtlichen Anteil, der über Begehren in Beziehung tritt. In der griechischen Mythologie ist es das Reich der Aphrodite und des Dionysos — der Götter der Lust, des Rausches, der Verschmelzung. Im Tarot ist Die Herrscherin (III) das Bild des erfüllten Sakralchakras: fruchtbar, sinnlich, im Genuss ruhend. Tiefer betrachtet ist die Schule des Sakralchakras die Schule des Genießens ohne Anhaftung — Lust ja, aber nicht als Flucht, sondern als Teilhabe am Lebensstrom. Siehe auch Herzchakra.

Auch bekannt als

  • Svadhisthana
  • zweites Chakra
  • Lust-Zentrum
  • Sakral-Zentrum
  • Bauchchakra

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