Mythologie

Artemis

Artemis ist die griechische Göttin des Mondes, der Jagd, der Wildnis, der ungezähmten Tiere und der jungfräulichen Unabhängigkeit. Zwillingsschwester des Apollon und Tochter des Zeus und der Leto, verkörpert sie die freie, autonome weibliche Seele, die keinem Mann gehört. Ihre römische Entsprechung ist Diana.

Mythos und Ursprung

Der Homerische Hymnus an Artemis und Kallimachos' Hymnus auf Artemis (3. Jh. v. Chr.) erzählen, dass Leto sie auf der Insel Ortygia oder Delos gebar, und zwar zuerst, bevor sie ihren Zwillingsbruder Apollon zur Welt brachte. Als Erstgeborene half die neugeborene Artemis sofort der erschöpften Mutter bei der Geburt des Bruders, weshalb sie auch zur Schutzgöttin der Wehen und der Geburt wurde, in dieser Funktion eng verwandt mit Eileithyia.

Mit drei Jahren bat sie Zeus laut Kallimachos um folgende Gaben: ewige Jungfräulichkeit, einen silbernen Bogen, sechzig junge Okeaniden als Gefährtinnen, alle Berge der Welt als ihr Reich und das Recht, niemals heiraten zu müssen. Zeus gewährte ihr alles und fügte hinzu, dass sie Hüterin der Häfen und Wege sein sollte. So entstand die jagdfrohe Mädchengöttin, die mit ihrer Schar von Nymphen durch die Wälder streift.

Attribute und Geschichten

Ihre Attribute sind der silberne Bogen, der Köcher, die Mondsichel auf der Stirn, der Hirsch und die Hindin. Ihr berühmtester Tempel war das Artemision in Ephesos, eines der sieben Weltwunder, das die orientalische Aspekt der Göttin als Polymastos, die Vielbrüstige, zeigte und sie mit fruchtbarer Mütterlichkeit verband. Pausanias beschreibt zahlreiche andere Heiligtümer, darunter Brauron, wo junge Athenerinnen als 'Bärinnen' der Göttin geweiht wurden.

Die Mythen unterstreichen ihre tödliche Strenge: Aktaion, der sie zufällig nackt beim Bade sah, verwandelte sie in einen Hirsch, der von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde (Ovid, Metamorphosen III). Niobe, die sich rühmte, mehr Kinder geboren zu haben als Leto, sah alle ihre vierzehn Kinder durch Apollon und Artemis sterben. Den Jäger Orion, der sich an einer ihrer Nymphen vergreifen wollte, tötete sie und versetzte ihn als Sternbild an den Himmel. Apollodor und Homer berichten zudem von der Hirschjagd des Herakles in Arkadien um die kerynitische Hindin, ein Tier der Artemis.

Im modernen Kontext

Jean Shinoda Bolen beschreibt in Goddesses in Everywoman Artemis als den Archetyp der unabhängigen Frau: zielstrebig, naturverbunden, oft Schwester oder Feministin, die ihren Weg jenseits patriarchaler Erwartungen geht. Jung sah in ihr eine Personifikation des kollektiven Animus der weiblichen Selbstbestimmung. Sie inspiriert moderne ökofeministische und neopaganistische Bewegungen wie den Reclaiming-Kreis.

Astrologisch wird sie mit dem Mond verbunden, besonders mit der zunehmenden Sichel, und mit den Sternzeichen Krebs und Schütze (durch ihren Bogen). Der Asteroid Diana repräsentiert sie in modernen Geburtshoroskopen. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Artemis zugewiesen bekommt, sucht oft Einsamkeit in der Natur, schützt Schwächere und lebt nach eigenen Regeln.

Symbolische Tiefe

Im Tarot korrespondiert Artemis mit Der Mond (Arkanum XVIII), der für Intuition, nächtliche Mysterien und das Unbewusste steht, sowie mit Die Hohepriesterin als jungfräuliche Hüterin verborgener Wahrheiten. Ihr Bogen und ihre Pfeile spiegeln sich in der Symbolik des Tarot-Asses der Stäbe, im Element Feuer und in der zielsicheren Intention.

Esoterisch ordnet die Kabbala sie der Sephira Yesod zu, der Mondsphäre des kollektiven Unbewussten, sowie teils Hod wegen ihrer Präzision. Symbolisch lehrt Artemis, dass Heiligkeit nicht in Anpassung liegt, sondern in der treuen Verbundenheit mit der eigenen Wildnis. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Sephiroth.

Auch bekannt als

  • Diana
  • Selene
  • Phoebe
  • Cynthia
  • Potnia Theron

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