Ganesha
Ganesha (Sanskrit Gaṇeśa, 'Herr der Scharen') ist einer der populärsten Götter des Hinduismus, der elefantenköpfige Sohn Shivas und der Parvati. Er ist der Beseitiger von Hindernissen (Vighnaharta), Gott der Anfänge, der Weisheit, des Schreibens und der Wissenschaften. Vor jedem Unternehmen, jeder Reise, jeder Hochzeit und jedem religiösen Ritual wird Ganesha als erster angerufen. Sein dickes Bäuchlein, sein einer abgebrochener Stoßzahn und seine Maus als Reittier sind seine ikonischen Markenzeichen.
Mythos und Ursprung
Ganesha taucht erstaunlicherweise erst relativ spät in der hinduistischen Tradition auf - nicht in den Veden, sondern erst in den Puranas, vor allem in der Ganesha Purana und der Mudgala Purana (etwa 9.-12. Jahrhundert n. Chr.). Vorgängerfiguren sind möglicherweise die Vinayakas, eine Gruppe von vier hindernissetzenden Dämonen, die in den Manava-Grhya-Sutras (etwa 4. Jahrhundert v. Chr.) erwähnt werden. Erst in der Gupta-Zeit (4.-6. Jahrhundert n. Chr.) verschmolzen diese zu einem einzigen, wohlmeinenden Gott. Die Ganapatya-Sekte machte Ganesha schließlich zum höchsten Gott. Heute ist er einer der fünf wichtigsten Götter des Panchayatana-Kults, der zusammen mit Vishnu, Shiva, Devi und Surya verehrt wird.
Die berühmteste Geschichte über Ganeshas Ursprung erzählt: Parvati schuf einen Sohn aus dem Schmutz ihres Körpers während eines Bades und stellte ihn als Wächter vor ihre Gemächer. Als Shiva von seinen langen Wanderungen zurückkehrte, ließ der ihm unbekannte Junge ihn nicht eintreten. Im Zorn schlug Shiva ihm den Kopf ab. Parvati war untröstlich, und Shiva versprach, den ersten Lebenden, dem seine Gefolgsleute begegnen würden, zum Ersatzkopf zu machen. Es war ein Elefant - so erhielt Ganesha seinen Elefantenkopf. Eine andere Variante: Shiva entsandte einen Asketen, dessen Blick alles versteinerte, und Ganesha verlor durch dessen Blick den Kopf. Beide Versionen drücken die initiatorische Verwandlung aus, durch die ein gewöhnlicher Mensch zu einem Wesen höherer Erkenntnis wird.
Attribute und Geschichten
Ganeshas Attribute sind reich an Symbolik: sein Elefantenkopf mit großen Ohren, die alle Bittgesuche der Devotees aufnehmen; seine einer abgebrochener Stoßzahn (Mythos: Er brach ihn ab, um damit das Mahabharata aufzuschreiben, das ihm Vyasa diktierte - der gebrochene Stoßzahn ist Symbol des Selbstopfers für die Wahrheit); sein dicker Bauch, der alle Welten in sich enthält; seine vier Arme (meist), die Schlinge (Paasha, fängt Hindernisse), Axt (Ankusha, zerstört Hindernisse), Modak (süßes Reisgebäck) und eine segnende Hand halten; und seine Maus (oder Ratte) Mushika als Reittier - das winzigste Wesen trägt den göttlich-gewaltigen Gott, was die Lehre der Bescheidenheit verdeutlicht. Seine Hautfarbe ist meist rot oder gelb.
Berühmte Geschichten und Feste: Im Rätselwettstreit mit seinem Bruder Kartikeya/Skanda umrundete Ganesha nicht die Welt, sondern seine Eltern - mit der Begründung, sie seien sein Universum. Er gewann den Wettstreit. Diese Geschichte zeigt seine Weisheit jenseits der reinen Geschwindigkeit. Beim Schreiben des Mahabharata diktierte Vyasa, und Ganesha schrieb in einem Zug, ohne Pause. Als seine Schreibfeder brach, brach er einen Stoßzahn ab. Das Ganesh Chaturthi-Fest, das jährlich im August/September gefeiert wird (besonders in Maharashtra und Mumbai), ist eines der größten Feste Indiens: Riesige Ganesha-Statuen aus Ton werden öffentlich aufgestellt, verehrt und am Ende prozessionsartig im Wasser versenkt - Symbol der zyklischen Schöpfung und Auflösung.
Im modernen Kontext
Ganesha ist heute neben Buddha vielleicht die international bekannteste hinduistische Figur. Seine Bilder finden sich in unzähligen Häusern weltweit, in Eingangshallen von Geschäften, in Anwaltskanzleien, in Designstudios und in Yogazentren. In Indonesien (Bali) und Thailand wird er seit dem Mittelalter verehrt. In der westlichen Esoterik tauchte Ganesha um 1900 durch Theosophie und Hindu-Lehrer wie Vivekananda auf, später durch die Hare-Krishna-Bewegung. Auch westliche Spiritualisten wie Ram Dass haben ihn populär gemacht. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Ganesha zugewiesen bekommt, hat oft die Berufung, Hindernisse abzubauen, neue Wege zu eröffnen, in Schreib-, Lehr- oder Beratungsberufen zu wirken.
Astrologisch entspricht Ganesha Merkur (Schreiben, Sprache, Vermittlung, Geschick) und Jupiter (Weisheit, Lehre, Schutz). In der vedischen Astrologie wird er besonders mit dem Planeten Ketu (Südknoten, spirituelle Befreiung) verbunden, der oft mit Hindernissen assoziiert wird - Ganesha löst diese. Sein Bija-Mantra ist Om Gam Ganapataye Namaha, eines der weltweit am häufigsten praktizierten hinduistischen Mantras. Sein heiliger Tag ist der Dienstag oder die Sankashti Chaturthi (vierter Mondtag nach Vollmond). In der Numerologie steht er für die Zahl Eins (Anfang) und Acht (kosmische Vollständigkeit, im Zusammenhang mit dem Bauch).
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Ganesha Der Narr (Arkanum 0) als Initiator des Wegs und Anfangsgott; Der Magier (I) durch seine Beseitigung von Hindernissen und Manifestationskraft; Der Hierophant (V) als Lehrer und Schreiber heiliger Texte (Mahabharata); und teilweise Die Kraft (XI/VIII) durch seine massige, ruhige Macht. Sein gebrochener Stoßzahn erinnert an die geopferte Vollständigkeit, die alle Initiierten kennen - ähnlich wie Odins Auge oder Tyrs Hand.
Jungianisch ist Ganesha ein faszinierender Archetypus: Er verbindet das Tierhafte (Elefantenkopf, Maus) mit dem Göttlich-Bewussten, was C. G. Jung als Theriokephalie studierte. Heinrich Zimmer sah in Ganesha den Archetypus des freundlichen, behäbigen Geleiters durch die Schwellen des Lebens. Sein Vahana, die Maus, ist symbolisch das Begehren oder das Ego, das vom göttlichen Bewusstsein 'beritten' und gelenkt wird. Kabbalistisch entspricht Ganesha am ehesten Hod (Merkur, Wort, Geschick) verbunden mit der Sephira Yesod (Fundament, Schwelle). In der westlichen Esoterik wird er manchmal mit dem Erzengel Sandalphon (Tor des Lebensbaums) parallelisiert. Mehr Verbindungen unter Glossar-Hub und Schutzgott.
Auch bekannt als
- Ganapati
- Vinayaka
- Vighneshvara
- Ekadanta
- Lambodara