Hades
Hades ist der griechische Gott der Unterwelt, Herr der Toten, des verborgenen Reichtums der Erde und der unsichtbaren Sphäre. Sein Name bedeutet 'der Unsichtbare', und sein Reich trägt denselben Namen. Als Bruder von Zeus und Poseidon teilte er mit ihnen die Welt: ihm fiel das Reich der Tiefe und der Toten zu. Seine römische Entsprechung ist Pluto.
Mythos und Ursprung
Hesiod schildert in der Theogonie, dass Hades als ältester Sohn von Kronos und Rheia geboren wurde und wie seine Geschwister vom Vater verschlungen wurde. Nach der Befreiung durch Zeus und dem Sieg in der Titanomachie erhielten die drei Brüder ihre Reiche durch Los: Zeus den Himmel, Poseidon das Meer, Hades die Unterwelt. Die Erde und der Olymp blieben allen gemeinsam. Mit diesem Losentscheid wurde Hades zum Herrn eines Reiches, das er kaum jemals verlässt.
Sein Reich ist nach Homer in der Odyssee (Buch XI) ein nebliger, von den Flüssen Styx, Acheron, Kokytos, Phlegethon und Lethe durchzogener Bereich, bewacht vom dreiköpfigen Hund Kerberos. Der Fährmann Charon setzt die Seelen über den Styx, sofern sie mit einer Münze, dem Obolus, ausgestattet sind. Die Richter Minos, Rhadamanthys und Aiakos urteilen über die Toten und weisen sie den Elysischen Feldern, der neutralen Asphodelos-Wiese oder dem Tartaros zu. Hesiod und Vergil in der Aeneis (Buch VI) erweitern diese Topographie.
Attribute und Geschichten
Hades' Attribute sind die Tarnkappe, geschmiedet von den Zyklopen, die ihn unsichtbar macht, der Zweizack oder das Zepter, der Schlüssel zu den Toren der Unterwelt, der Kerberos und der Granatapfel. Sein heiliges Tier sind schwarze Rinder und Pferde. Im Gegensatz zu den anderen Olympiern hat er kaum öffentliche Tempel: die Griechen mieden seinen Namen aus Furcht und nannten ihn lieber Pluton, den Reichgebenden, da er den verborgenen Reichtum der Erde - Bodenschätze und fruchtbaren Boden - hütet.
Sein wichtigster Mythos ist der Raub der Persephone: Hades öffnete die Erde, riss die Tochter der Demeter in seinen Wagen und führte sie in die Unterwelt. Der Homerische Hymnus an Demeter erzählt diese Geschichte, die den Wechsel der Jahreszeiten begründet. Mit dem Granatapfel band er Persephone an sein Reich. Andere Helden begegnen Hades: Orpheus stieg hinab, um Eurydike zurückzuholen, und rührte selbst Hades zu Tränen mit seinem Gesang. Herakles entführte Kerberos als zwölfte Arbeit. Theseus und Peirithoos versuchten vergeblich, Persephone zu rauben, und wurden in den steinernen Sesseln des Vergessens festgehalten.
Im modernen Kontext
James Hillman widmete in The Dream and the Underworld (1979) Hades eine zentrale Bedeutung als Archetyp der psychischen Tiefe, in der jeder Traum, jede Depression, jeder Tod stattfindet. Jung sah in der Reise zum Hades das Modell der Individuation: ohne den Abstieg in den Schatten keine Ganzwerdung. Joseph Campbell beschreibt diesen Schritt in Der Heros in tausend Gestalten als notwendige Stufe jeder Heldenreise.
Astrologisch wird Hades mit dem Planeten Pluto verbunden, der für Transformation, Tod und Wiedergeburt, verborgene Mächte und tiefe Verwandlung steht. Auch der Skorpion trägt seine Energie und das achte Haus des Horoskops. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Hades zugewiesen bekommt, lebt häufig in Berührung mit Themen von Tod, Trauerbegleitung, Psychotherapie oder dem Verborgenen.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Hades Der Tod (Arkanum XIII) als Schwellenwächter der Verwandlung, aber auch Der Teufel (XV) in seinem Aspekt der gebundenen Materie und Der Eremit (IX), der allein in der Tiefe wohnt. Sein Reichtum verbindet ihn mit den Scheiben/Münzen.
Esoterisch ordnet die Kabbala Hades den unteren Sephiroth und besonders der dunklen Seite des Lebensbaums (Qliphoth) zu, aber auch Geburah als Sphäre des notwendigen Endes. Symbolisch lehrt Hades, dass Reichtum und Weisheit aus der Tiefe kommen und dass nichts wirklich verloren ist, was in sein Reich eingeht. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Schattenarbeit.
Auch bekannt als
- Pluto
- Pluton
- Aides
- Aidoneus
- Polydegmon