Frigg
Frigg (altnordisch Frigg, althochdeutsch Frīja) ist die Hauptgöttin der nordischen Mythologie, Gemahlin Odins, Königin der Asen, Patronin der Ehe, der Mutterschaft, der Geburt, des Hauses und der weisen Vorsehung. Sie kennt das Schicksal aller Wesen, doch schweigt darüber. Sie wohnt in der Halle Fensalir ('Sumpfsäle') und spinnt mit ihren Mägden Wolken aus goldenem Rocken.
Mythos und Ursprung
Friggs Name verwandt sich mit dem althochdeutschen Frīja und dem englischen Friday - Freitag ist ihr Tag, das lateinische dies Veneris. Ihre Etymologie reicht zur indoeuropäischen Wurzel *pri- (lieben, schätzen) zurück, verwandt mit Sanskrit priya (geliebt). Tacitus identifiziert sie um 98 n. Chr. mit der römischen Venus. Die wichtigsten Quellen sind die Lieder-Edda (besonders Lokasenna, Vafthrudnismal, Grímnismál) und die Prosa-Edda des Snorri Sturluson (um 1220). Bereits in der Langobardischen Geschichte des Paulus Diaconus (8. Jahrhundert) erscheint sie unter dem Namen Frea als listige Gattin Wodans.
Frigg ist die Tochter des riesigen Fjörgyn (oder der Fjörgynn), Gemahlin Odins und Mutter des strahlenden Baldr, des blinden Höðr und Hermods. Sie steht an der Spitze der Asinnen und gilt traditionell als Asynja par excellence. Mit Odin teilt sie den Thron Hlidskjalf, von dem aus beide alle Welten überblicken. In der mittelalterlichen Forschung wurde sie oft mit Freya verschmolzen oder verwechselt - moderne Religionswissenschaft trennt beide klar: Frigg ist Asin, Mutter und Gattin; Freya ist Wanin, Liebende und Kriegerin. In sozialen Funktionen jedoch überschneiden sich beide vielfach.
Attribute und Geschichten
Friggs Attribute sind der Wolken-Rocken (Spinnrocken), mit dem sie die Wolken am Himmel webt; die Schlüssel der Haushalt-Schatzkammer (sie ist die Patronin aller Hausfrauen); der Falkenmantel, den sie und Freya beide besitzen; und ihre elf Hofdamen (Fulla, Eir, Gefjon, Gna, Lofn, Sjofn, Snotra, Var, Saga, Sol, Sif), die jeweils eigene Spezialgebiete (Heilkunst, Liebesschwüre, Ehe, Vermittlung, Wissen, Bewahrung der Geheimnisse) repräsentieren. Ihre vertrauteste Vertraute ist Fulla, die ihr Kästchen mit den Schätzen verwahrt. Sie reitet manchmal auf einem goldborstigen Eber wie Freya.
Berühmte Geschichten: In Vafthrudnismal warnt Frigg Odin vor seinem Rätselwettstreit mit dem Riesen Vafthrudnir - sie sieht die Gefahr voraus. In Grímnismál wettet sie mit Odin um Geirröd und Agnar und führt durch listige Botschaft das Ende Geirröds herbei - obwohl scheinbar passiv, lenkt sie die Geschichte. Ihr Herzensschmerz: Sie ließ alle Wesen der Welt schwören, ihrem Sohn Baldr nicht zu schaden - vergaß aber die zu junge Mistel. Aus dieser Mistel formte Loki den Mordpfeil. Nach Baldrs Tod weinte Frigg untröstlich und sandte Hermod in die Unterwelt zu Hel, um ihn zurückzuholen - vergeblich. Bei Ragnarök stirbt Odin, doch in der erneuerten Welt kehrt Baldr zurück - Friggs Vorsehung erfüllt sich.
Im modernen Kontext
In der modernen Asatru und im germanischen Neopaganismus ist Frigg eine zentrale Göttin der Ehefrauen, Mütter, Mediatorinnen und Hüterinnen häuslicher Heiligkeit. Sie wird in Hochzeitsritualen, Geburtsgebeten und beim Yule-Fest angerufen, das in vielen Asatru-Strömungen 'Mutternacht' (Mōdraniht) heißt - eine Tradition, die Beda Venerabilis um 725 als angelsächsisches Frigg-Fest beschreibt. Auch in skandinavischen Volksbräuchen lebt sie weiter, etwa im Schwedischen Friggjar Rocken (Orions Gürtel als Friggs Spinnrocken). Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Frigg zugewiesen bekommt, lebt oft Berufungen in Familie, Mediation, Hausgemeinschaft, Bewahrung und stilles Wissen.
Astrologisch wird Frigg traditionell mit der Venus (Freitag, Liebe) verbunden, aber auch mit dem Mond (Mutterschaft, Vorsehung), Saturn (Schicksal, Schweigen) und Krebs (Heim, Mutter). Die Runen Berkano (Birke, Geburt) und Inguz (Fruchtbarkeit, Heim) sind ihr besonders zugeordnet. Im modernen Disting-Fest, gefeiert um den 14. Februar, gedenken viele Heiden ihrer Friggs-Hof-Familie der Asinnen. Auch im therapeutischen Kontext steht sie für die positive, weise und vorsorgende Mutterimago.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Frigg Die Herrscherin (Arkanum III) als königliche Mutter und Gemahlin; Die Hohepriesterin (II) durch ihr verschwiegenes Schicksalswissen; Die Welt (XXI) durch ihren umfassenden Überblick vom Hlidskjalf; und teilweise Die Mäßigkeit (XIV) durch ihre vermittelnde, ausgleichende Funktion in der Asengemeinschaft. Ihr Spinnrocken erinnert an die Spindel der Großen Mutter und an die Schicksalsfäden der Nornen.
Jungianisch ist Frigg der Archetypus der Großen Mutter in ihrer königlichen, weisen, schützenden Form - nicht die wilde Erdmutter, sondern die zivilisierte, gemeinschaftsbildende, geheime Hüterin. Erich Neumann sah in solchen Figuren die weibliche Bewusstwerdung. Kabbalistisch verbindet sie sich mit der Sephira Binah (Saturn, Verstand, Große Mutter) und teilweise Chesed (Königin der Gnade). Mehr Verbindungen unter Glossar-Hub und Große Mutter.
Auch bekannt als
- Frīja
- Frea
- Saga
- Asin der Asen
- Hlin