Mythologie

Loki

Loki (altnordisch Loki Laufeyjarson) ist der ambivalente Trickster der nordischen Mythologie - Gestaltwandler, Magier, Lügner, Diener und Verderber der Asen zugleich. Er ist der Sohn des Riesen Fárbauti und der Laufey, Blutsbruder Odins, Vater der ungeheuren Kinder Hel, des Wolfs Fenrir und der Midgardschlange Jörmungandr und Anstifter der Endzeitschlacht Ragnarök.

Mythos und Ursprung

Lokis Herkunft ist ungewöhnlich: Er ist kein Asengott, sondern ein Riese, der durch Blutsbruderschaft mit Odin in Asgard aufgenommen wurde. Die Etymologie seines Namens ist umstritten - vielleicht von altnordisch luka (schließen, verknoten) oder von logi (Flamme), womit eine Verwandtschaft mit dem Feuerriesen Logi nahegelegt würde. Die wichtigsten Quellen sind die Lieder-Edda (besonders Lokasenna, Þrymskviða, Reginsmál) und die Prosa-Edda Snorri Sturlusons (um 1220). Im Gegensatz zu Thor oder Odin gibt es kaum archäologische Belege für einen Loki-Kult - er war eher mythische Figur als Gott der Verehrung.

Lokis Familienverhältnisse sind komplex: Mit der Asin Sigyn hat er die Söhne Narfi und Vali. Mit der Riesin Angrboda zeugte er die drei Endzeit-Monster Hel, Fenrir und Jörmungandr. Als Stute gebar er das achtbeinige Pferd Sleipnir, das Odin reitet. Er verkörpert damit das Prinzip der Grenzüberschreitung in jeder Hinsicht: Mann/Frau, Riese/Asengott, Freund/Feind, Helfer/Verräter. Snorri bezeichnet ihn in der Gylfaginning als 'Vater aller Lügen, Schande der Götter und Menschen'.

Attribute und Geschichten

Loki hat kein festes Attribut wie Thors Hammer oder Odins Speer - sein wichtigstes Werkzeug ist die Gestaltwandlung: Er erscheint als Lachs, Stute, Fliege, alte Frau, Falke, Floh. Manchmal trägt er Freyas Falkenmantel. Berühmt sind seine Hilfsleistungen für die Asen, denen meist eine Schadenstat vorausgeht: Er lässt Sif die Haare scheren und schafft als Wiedergutmachung von den Zwergen Mjölnir (Thors Hammer), Gungnir (Odins Speer), Skidbladnir (Freyrs Schiff) und Draupnir (Odins Ring) schmieden. Er lockt die Riesen-Baumeister Asgards in eine Falle. Er stiehlt Freyas Halsband Brisingamen. Er kann sowohl höchste Schönheit als auch tiefste Verheerung bewirken.

Die zentrale Wendung in Lokis Karriere ist der Mord an Baldr, dem strahlenden Sohn Odins und Friggs. Loki erfährt, dass nur die Mistel Baldr verletzen kann, formt aus ihr einen Pfeil und gibt ihn dem blinden Höðr, der damit unwissend seinen Bruder tötet. Danach verhindert Loki als alte Frau Thökk Baldrs Rückkehr aus dem Totenreich. In Lokasenna beleidigt er alle Götter und Göttinnen und wird daraufhin gefangen. Die Asen binden ihn mit den Eingeweiden seines Sohnes an einen Felsen, und eine Schlange tropft Gift auf sein Gesicht - bis seine treue Gemahlin Sigyn das Gift in einer Schale auffängt. Seine Erdbeben sind Folge seines Schmerzes. Bei Ragnarök reißt er sich los und führt das Heer der Toten gegen die Götter - er fällt im Zweikampf mit Heimdall.

Im modernen Kontext

Loki ist eine der populärsten mythologischen Figuren der Gegenwart. Tom Hiddleston verkörpert ihn seit 2011 im Marvel Cinematic Universe und in der Disney+-Serie Loki (ab 2021) mit großem Publikumserfolg. Neil Gaiman porträtiert ihn in American Gods und Nordische Mythen als verführerisch-gefährlich. In Wagners Ring heißt er Loge und steht für die feurige Intelligenz. Die queere Community hat Loki wegen seiner Gestaltwandelfähigkeit (er gebiert als Stute, wird als alte Frau dargestellt) als nicht-binären oder genderfluiden Gott aufgegriffen, was 2017 sogar in der Disney-Marvel-Serie offiziell wurde. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Loki zugewiesen bekommt, lebt oft an Grenzen, ist kreativ, schlagfertig, schwer einzuordnen.

Astrologisch wird Loki mit Merkur (Trickster, Bote) verbunden, in seinen dunkleren Aspekten auch mit Pluto (Schatten, Wandlung) und dem Asteroiden Eris (Zwietracht). In der Runen-Astrologie ist er mit der Rune Kenaz (Fackel, kreatives Feuer) und teilweise Pertho (Schicksal, Würfelbecher) verknüpft. In Ásatrú sind die Lokeaner eine umstrittene Strömung - manche Heidentums-Gruppen lehnen Lokis Verehrung ab, andere sehen in ihm den notwendigen Antagonisten, ohne den die Götter erstarren würden. Auch C. G. Jungs Schattenarbeit kommt ohne Lokis Energie nicht aus.

Symbolische Tiefe

Im Tarot entspricht Loki vor allem Der Narr (Arkanum 0 oder XXII) als Grenzgänger zwischen Welten, als Auslöser von Veränderung, als der, der über Abgründen tanzt; Der Magier (I) durch seine Verwandlungs- und Trickkunst; Der Teufel (XV) durch seine Schattenseite und die Bindung, die er sich selbst zuzieht; und Der Gehängte (XII) in seinem Felsenexil.

Jungianisch ist Loki der Schatten-Archetypus par excellence, aber auch der Trickster im Sinne von Paul Radins berühmter Studie (1956). Er bringt das, was die Götter (das Über-Ich, das Ego) nicht haben wollen - das Chaotische, Tabuverletzende, Lebenswichtige - und erzwingt damit die Wandlung. Ohne Loki kein Mjölnir, keine Hekate, kein Ragnarök, keine Wiedergeburt der Welt. Kabbalistisch verbindet er sich mit dem Sitra Achra, der 'anderen Seite', oder mit dem Bereich der Qliphoth. Mehr Verbindungen unter Glossar-Hub und Trickster.

Auch bekannt als

  • Loki Laufeyjarson
  • Loge
  • Lopt
  • Hveðrungr
  • Trickster des Nordens

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