Isis
Isis (ägyptisch Aset) ist die ägyptische Göttin der Mutterschaft, der Magie, der Heilung und der Treue. Gattin und Schwester des Osiris und Mutter des Horus, wurde sie in hellenistischer und römischer Zeit zur universalen Göttin, deren Kult sich vom Nil bis nach Britannien ausbreitete. Sie ist die große Magierin, die das Wort der Macht (hekau) beherrscht.
Mythos und Ursprung
Die ältesten Belege ihres Namens finden sich in den Pyramidentexten (etwa 2400 bis 2300 v. Chr.), den Inschriften der Pyramiden des Alten Reiches, wo sie bereits als Klagerin um den toten Osiris erscheint. Ihr Name Aset bedeutet 'Thron', und die hieroglyphische Schreibung trägt einen Thron auf dem Kopf. Sie ist Tochter des Geb (Erde) und der Nut (Himmel), Schwester von Osiris, Seth und Nephthys.
Plutarch hat den vollständigen Mythos in seiner Schrift Über Isis und Osiris (1. Jh. n. Chr.) überliefert: Seth ermordete Osiris aus Eifersucht, sperrte ihn in einen Sarg und warf ihn in den Nil. Isis suchte ihn unter Tränen über die ganze Welt, fand den Sarg in Byblos und brachte ihn nach Ägypten zurück. Doch Seth fand den Leichnam erneut und zerstückelte ihn in vierzehn Teile. Isis sammelte mit Hilfe ihrer Schwester Nephthys alle Teile bis auf den Phallus, fügte den Körper zusammen und erweckte Osiris durch ihre Magie kurz zum Leben, um den Sohn Horus zu empfangen. Das Totenbuch (etwa 1550 v. Chr.) bezeugt diesen Mythos in zahlreichen Sprüchen.
Attribute und Geschichten
Isis' Attribute sind der Thron auf dem Haupt, der Sonnenscheibe zwischen Kuhhörnern (Übernahme von Hathor), das Tit-Amulett (Isis-Knoten), die Sykomore, der Falke, die Schwalbe und die Skorpione, die sie schützen. Ihre wichtigsten Heiligtümer waren Philae am ersten Nilkatarakt (geweiht bis ins 6. Jh. n. Chr., damit das letzte arbeitende ägyptische Heiligtum), Behbeit el-Hagar und in Rom der Tempel auf dem Marsfeld.
Berühmt ist der Mythos, in dem Isis durch List den geheimen Namen des Sonnengottes Ra erfuhr und damit überlegene Macht erlangte. Auf der Flucht vor Seth verbarg sie den kleinen Horus in den Sümpfen von Chemmis und heilte ihn, als ein Skorpion ihn stach - daher ihre Verehrung als Beschützerin der Kinder und Heilerin. Apuleius beschreibt in seinem Roman Der goldene Esel (2. Jh. n. Chr.) eindrucksvoll die Initiation in die Isis-Mysterien und legt der Göttin den Satz in den Mund: 'Ich bin die natürliche Mutter aller Dinge.' Der Isis-Kult breitete sich über das ganze Römische Reich aus.
Im modernen Kontext
In der Renaissance galt Isis als Vorbild der hermetischen Weisheit. Die Schleier der Isis wurden bei Schiller ('Das verschleierte Bild zu Sais') und in der Freimaurerei zum Symbol der verborgenen Wahrheit. Helena Blavatsky benannte ihr Hauptwerk Isis Unveiled (1877). Jung sah in Isis den Archetyp der magischen Mutter und der trauernden Liebenden, die durch ihre Treue die Wiedergeburt ermöglicht.
In zeitgenössischer Esoterik, Wicca und Göttinnenspiritualität ist Isis omnipräsent. Astrologisch wird sie mit der Mond-Venus-Achse, dem Krebs und dem fixen Stern Sirius (Sothis) assoziiert, dessen heliakischer Aufgang im alten Ägypten die Nilflut ankündigte. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Isis zugewiesen bekommt, lebt häufig in Berufungen der Heilung, der Therapie, der Magie oder der bedingungslosen Mütterlichkeit.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Isis vor allem Die Hohepriesterin (Arkanum II), die zwischen den Säulen des Tempels mit dem Mondsymbol und der Tora-Rolle thront - das ikonische Bild des Rider-Waite-Decks ist direkt aus dem Isis-Kult inspiriert. Sie korrespondiert auch mit Die Herrscherin (III) als universale Mutter und mit Der Mond (XVIII).
Esoterisch ordnet die hermetische Kabbala Isis der Sephira Binah (Verständnis, dunkle Mutter) und teilweise Yesod (Mond, Magie) zu. Symbolisch lehrt sie, dass Liebe stärker als Tod ist und dass die wahre Magie aus der unerschütterlichen Treue zur Wiederzusammenführung des Zerstreuten kommt. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Hermetik.
Auch bekannt als
- Aset
- Eset
- Hochgöttin
- Stella Maris
- Mutter der Mysterien