Mythologie

Ra

Ra (auch Re) ist der ägyptische Sonnengott, Schöpfer der Welt und Vater der Pharaonen. Als strahlende Sonnenscheibe durchfährt er täglich den Himmel in seiner Sonnenbarke und durchwandert nachts die zwölf Stunden der Duat, des Unterweltreiches. Sein Kultzentrum war Heliopolis (ägyptisch Iunu), und sein Name wurde zum Schöpfungsbegriff schlechthin.

Mythos und Ursprung

Ras Verehrung reicht bis in die Frühzeit der ägyptischen Geschichte zurück. Bereits in den Pyramidentexten (etwa 2400 bis 2300 v. Chr.) ist er der höchste Gott, und die fünfte Dynastie ließ sich offiziell als Söhne des Ra (sa-Ra) bezeichnen. In Heliopolis lehrte die Priesterschaft, dass Ra-Atum sich auf dem Urhügel Benben aus den Wassern des Urozeans Nun selbst erschuf. Aus seinen Tränen oder seinem Speichel entstanden Schu (Luft) und Tefnut (Feuchte), aus deren Verbindung Geb (Erde) und Nut (Himmel), aus deren Verbindung Osiris, Isis, Seth und Nephthys hervorgingen - die Neunheit von Heliopolis.

Die berühmte Litanei des Ra aus dem Neuen Reich nennt 75 verschiedene Namen und Erscheinungsformen des Sonnengottes. Er erscheint in drei Hauptgestalten: als Chepri (Skarabäus) am Morgen, als Ra (falkenköpfiger Mann mit Sonnenscheibe) am Mittag und als Atum (widderköpfiger Greis) am Abend. Das Amduat und das Buch der Tore (Königsgräber des Neuen Reiches, ab etwa 1500 v. Chr.) beschreiben minutiös seine nächtliche Fahrt durch die zwölf Stunden der Duat, in der er sich mit Osiris vereinigt und am Morgen verjüngt wiedergeboren wird.

Attribute und Geschichten

Ras Attribute sind die Sonnenscheibe mit der schützenden Uräusschlange, der Falkenkopf, die Sonnenbarke (Mandjet am Tag, Mesektet in der Nacht), der Was-Stab und das Anch-Zeichen. Sein heiliges Tier neben dem Falken ist der Stier Mnevis und der Skarabäus. Der Benben-Stein in Heliopolis, ein konischer Meteorit, galt als sein irdischer Sitz und gab den Pyramiden ihre Form (Pyramidion = Spitze). Echnaton versuchte im 14. Jh. v. Chr., den Ra-Kult in einem Monotheismus des Sonnengottes Aton zu reformieren - eine kurzlebige, aber tief einflussreiche religiöse Revolution.

Berühmte Mythen: Im Buch der himmlischen Kuh wird erzählt, dass Ra altert und die Menschen sich gegen ihn auflehnen. In seinem Zorn sendet er sein Auge in Gestalt von Sekhmet aus, das die Menschheit fast vernichtet, bis Ra sie mit gefärbtem Bier täuscht und besänftigt. Ra zieht sich danach auf den Rücken der Himmelskuh Nut zurück und überlässt die Erdregierung den jüngeren Göttern. Isis entlockt ihm in einem klugen Listmythos seinen geheimen Namen und damit Anteil an seiner Macht. Jeden Morgen kämpft Ra in der Duat mit der Riesenschlange Apophis, dem Chaosdrachen, und siegt - so wird die kosmische Ordnung täglich neu errungen.

Im modernen Kontext

Ra wurde in der griechisch-römischen Zeit mit Apollon-Helios identifiziert. Aleister Crowleys magischer Orden Astrum Argentum nahm zentrale ägyptische Symbolik auf, und Ra-Hoor-Khuit (eine Verschmelzung von Ra und Horus) erscheint im Liber Al vel Legis (1904) als kosmische Macht. In der modernen New-Age-Spiritualität ist die Sonnenscheibe omnipräsent als Symbol des höheren Selbst.

Astrologisch ist Ra der Urbild der Sonne im Horoskop, jenes zentralen Lichts, das Identität, Vitalität und kreatives Selbst verkörpert. Der Löwe, das Zeichen der Sonne, trägt seine Energie. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Ra zugewiesen bekommt, lebt häufig aus einem starken Selbst-Zentrum heraus, hat führungswillen, schöpferische Strahlkraft und das Bedürfnis, Klarheit und Wärme in seine Umgebung zu bringen.

Symbolische Tiefe

Im Tarot entspricht Ra eindeutig Die Sonne (Arkanum XIX), die Vitalität, Klarheit, Wahrheit und kindliche Freude symbolisiert, sowie Der Magier (I) als schöpferischer Demiurg und Der Herrscher (IV) als königlicher Vater. Seine täglichen Verwandlungen verweisen auf Das Rad des Schicksals (X).

Esoterisch ordnet die Kabbala Ra der Sephira Tiphareth zu, dem solaren Herzen des Lebensbaums, der Sphäre der Harmonie, des höheren Selbst und des göttlichen Königs. Symbolisch lehrt Ra, dass jeder Tag eine Reise durch Licht und Schatten ist und dass die Kraft, die Welt zu erhalten, in der täglichen Erneuerung des Mutes liegt. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Sephiroth.

Auch bekannt als

  • Re
  • Ra-Harachte
  • Atum-Ra
  • Amun-Ra
  • Chepri

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