Sekhmet
Sekhmet (ägyptisch Sechmet, 'die Mächtige') ist die ägyptische Löwengöttin des Krieges, der Pestilenz, der Rache und zugleich der Heilung. Als feuriges Auge des Ra verbreitet sie Zerstörung gegen seine Feinde, ist aber auch Patronin der Ärzte. In Memphis bildete sie zusammen mit ihrem Gemahl Ptah und ihrem Sohn Nefertem die heilige Triade.
Mythos und Ursprung
Sekhmet ist seit dem Alten Reich (ab etwa 2600 v. Chr.) bezeugt. Ihr Hauptkultort war Memphis, doch die Pharaonen Amenophis III. und Amenophis IV. ließen im Tempel der Mut in Karnak hunderte (wahrscheinlich ursprünglich 730) Statuen aus schwarzem Granit aufstellen, um die Göttin durch tägliche Opfer zu besänftigen. Sie ist die Personifikation des sengenden Mittagshitzes, der Wüstenglut und des kriegerischen Pharaonen-Atems, der die Feinde verbrennt.
Der zentrale Mythos ist die Vernichtung der Menschheit, ausführlich überliefert im Buch der himmlischen Kuh, einer Inschrift in den Königsgräbern des Neuen Reiches (ab etwa 1500 v. Chr.): Als Ra alt wurde und die Menschen sich gegen ihn verschworen, sandte er sein Sonnenauge in Gestalt der Sekhmet aus, die als Löwin in die Wüste hinabstieg und die Menschen mit unstillbarem Blutdurst tötete. Ra erkannte die drohende Auslöschung und ersann eine List: Er ließ den Boden mit rotem Bier (mit Ocker oder Granatapfelsaft gefärbt) überschwemmen. Sekhmet trank davon, hielt es für Blut, wurde betrunken und besänftigt - und verwandelte sich zurück in Hathor, ihr sanftes Gegenstück. Ihre Doppelnatur als furchtbare Zerstörerin und milde Hathor wurde so kosmisch verankert.
Attribute und Geschichten
Sekhmets Attribute sind der Löwenkopf, die Sonnenscheibe mit Uräusschlange auf dem Kopf, der Was-Stab, das Anch-Zeichen, der Lotosstab, der Pfeil und der Bogen. Sie trägt häufig ein langes, eng anliegendes rotes Kleid. Ihre Beinamen sind eindrucksvoll: Herrin der Furcht, die Brennende, die Schlachterin, aber auch Herrin des Lebens und große Heilerin. Die Sieben Pfeile der Sekhmet waren gefürchtete magische Geschosse, die Krankheiten brachten, gegen die es ebenso magische Abwehrformeln gab.
Ihre Priester (uab-Sechmet) waren zugleich die geachtetsten Ärzte des alten Ägypten - der Papyrus Ebers (etwa 1550 v. Chr.) und der Papyrus Edwin Smith bezeugen ihr medizinisches Wissen. Die Logik dahinter: Wer Krankheiten senden kann, kann sie auch heilen. An jedem Jahresende wurde das große Sechmet-Fest gefeiert, um die Göttin zu besänftigen und das neue Jahr ohne Seuchen zu beginnen. Die Inschriften nennen die fünf Tage zwischen dem alten und neuen Jahr als besonders gefährliche Zeit, in der Sekhmets Boten Krankheit über Ägypten verbreiteten. Auch in Edfu, Bubastis und vielen anderen Tempeln wurde sie verehrt, oft in synkretischen Formen mit Bastet und Mut.
Im modernen Kontext
In der zeitgenössischen Göttinnenspiritualität ist Sekhmet zu einer ikonischen Figur des heiligen Zorns geworden, der weiblichen Wut, die als legitime spirituelle Kraft anerkannt und nicht unterdrückt wird. Robert Masters widmete ihr The Goddess Sekhmet (1988), Jean Houston entwickelte Visualisierungen mit ihrer Energie. Jung sah in Sekhmet einen Archetyp der furchtbaren Mutter - die Kraft, die zerstört, was zerstört werden muss, damit Heilung möglich wird.
Astrologisch wird Sekhmet mit dem Löwen (Tierform und Sonnenenergie) und dem Widder (Kampfgeist, Mars-Energie) verbunden. Der heliakische Aufgang von Sirius im Hochsommer galt als ihre Zeit. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Sekhmet zugewiesen bekommt, trägt häufig eine intensive Kraft in sich, die in heilende, schamanische oder kämpferische Berufungen drängt - und braucht den Mut, die eigene Wut als Heiligkeit anzuerkennen.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Sekhmet Die Kraft (Arkanum XI/VIII), die eine Frau mit einem Löwen zeigt - im Thoth Tarot heißt diese Karte 'Lust' und Crowley stellt Sekhmet-Babalon direkt darauf dar. Auch Der Turm (XVI) als göttliche Zerstörung und Die Gerechtigkeit (XI/VIII) tragen ihre kompromisslose Energie.
Esoterisch ordnet die Kabbala Sekhmet der Sephira Geburah (Strenge, Gericht, Mars) zu, der Sphäre des notwendigen Endes und der heilsamen Härte. Symbolisch lehrt Sekhmet, dass die größte Heilerin auch die größte Zerstörerin ist und dass wahre Medizin manchmal verbrennen muss, was nicht mehr lebenstauglich ist. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Sephiroth.
Auch bekannt als
- Sechmet
- Sakhmet
- Auge des Ra
- Herrin der Furcht
- Die Mächtige