Hathor
Hathor (ägyptisch Hut-Hor, 'Haus des Horus') ist die ägyptische Göttin der Liebe, der Schönheit, der Musik, des Tanzes, der Freude und der mütterlichen Fürsorge. Sie erscheint als Kuh oder als Frau mit Kuhhörnern und Sonnenscheibe und galt als Mutter aller Götter und Pharaonen, als Herrin des Westens und Empfängerin der verstorbenen Seelen.
Mythos und Ursprung
Hathors Wurzeln reichen bis in die prädynastische Zeit (vor 3100 v. Chr.). Auf der berühmten Narmer-Palette (etwa 3100 v. Chr.) erscheinen bereits Kuhgesichter, die mit ihr identifiziert werden. Die Pyramidentexte nennen sie als Patronin des Königtums. Ihr Hauptkultort war Dendera in Oberägypten, wo zwischen 54 v. Chr. und 64 n. Chr. unter den Ptolemäern und Römern einer der prachtvollsten ägyptischen Tempel errichtet wurde, dessen Decke mit dem berühmten Tierkreis geschmückt ist (heute im Louvre). Auch in Memphis, Theben und auf der Sinai-Halbinsel (Serabit el-Khadim, wo die Türkisbergwerke ihr geweiht waren) wurde sie verehrt.
Hathor wird oft als Tochter des Ra und Gemahlin des Horus von Edfu bezeichnet. Im Buch der himmlischen Kuh ist sie identisch mit dem Sonnenauge und kann sich in die furchtbare Löwin Sekhmet verwandeln - ihre milde und ihre wilde Seite bilden ein einziges Wesen. Eine alte Legende erzählt, dass Hathor in Gestalt der Kuh den jungen Sonnengott auf ihren Hörnern aus dem Wasser hob - daher die ikonische Sonnenscheibe zwischen ihren Hörnern. Sie ist auch die Mutter des Ihy, des göttlichen Musikerkindes, und wird in Dendera jährlich in einer Prozession nach Edfu gebracht zur 'Heiligen Vereinigung' mit Horus.
Attribute und Geschichten
Hathors Attribute sind die Kuhhörner mit Sonnenscheibe, das Sistrum (heilige Rassel, mit dem ihre Priesterinnen tanzten), das Menat-Halsband (ebenfalls als Klangwerkzeug benutzt), der Spiegel, der Lotos und die Sykomore, in deren Geäst sie den Verstorbenen Wasser und Brot reicht. Ihre Priesterinnen waren berühmt für rituellen Tanz, Musik und ekstatische Praktiken - der griechische Geograph Strabon beschreibt im 1. Jh. v. Chr. ihre Feste in Dendera. Sie trägt den Beinamen Herrin der Trunkenheit wegen des großen Festes des Frauenfestes, bei dem rituelle Trunkenheit als heilige Erfahrung praktiziert wurde.
Berühmte Mythen: Wenn Hathor weint, fällt der Nil, wenn sie lächelt, blüht die Erde. Als sterbender Osiris in der Unterwelt war, erschien Hathor ihm als heilige Kuh und nährte ihn mit ihrer Milch. Beim Tod jedes Pharaos trat sie ihm in Gestalt der Kuh entgegen und säugte ihn als wiedergeborenes Kind - ein Motiv, das auf zahlreichen Tempelreliefs erscheint. In der Geschichte vom Schiffbrüchigen (Mittleres Reich, etwa 1900 v. Chr.) ist sie die Schutzgöttin der Türkis-Minen und der Seefahrer. Sie wurde später mit der griechischen Aphrodite identifiziert, und die Phönizier sahen in ihr ihre eigene Astarte.
Im modernen Kontext
In der zeitgenössischen Göttinnenspiritualität ist Hathor eine der beliebtesten Figuren, oft als Patronin der Künste, der Heilung durch Klang, der Schwangerschaft, der Geburt und der ekstatischen Tanzpraxis. Tom Kenyon hat die 'Hathor-Botschaften' als kanalisierte Lichttexte popularisiert. Jung sah in Hathor einen Archetyp der liebenden, nährenden Anima, die sowohl irdische Sinnlichkeit als auch himmlische Geistigkeit umfasst.
Astrologisch wird Hathor mit der Venus verbunden (Liebe, Schönheit), aber auch mit dem Stier (Kuhsymbol, sinnliche Fülle) und dem Waage-Zeichen. Der Asteroid Hathor (Nr. 2340) repräsentiert sie in modernen Geburtshoroskopen. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Hathor zugewiesen bekommt, lebt häufig in Berufungen der Musik, des Tanzes, der Geburtshilfe, der Aromatherapie oder der schöpferischen Verbindung von Sinnlichkeit und Spiritualität.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Hathor Die Herrscherin (Arkanum III), der fruchtbaren Mutter und Venusgöttin, sowie Die Liebenden (VI) in ihrem Aspekt der heiligen Vereinigung und Die Sterne (XVII) als kosmische Spenderin der Wasser des Lebens. Ihr Sistrum verweist auf die musikalische Harmonie aller Tarot-Kelche.
Esoterisch ordnet die Kabbala Hathor der Sephira Netzach (Venus, Sieg, Künste, Triebleben) zu, sowie teilweise Binah (große Mutter). Symbolisch lehrt Hathor, dass Freude eine spirituelle Pflicht ist und dass Musik, Tanz und Liebe Tore zum Göttlichen sind. Die Welt selbst ist ein Tempel ihrer Sinnlichkeit. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Sephiroth.
Auch bekannt als
- Hut-Hor
- Herrin von Dendera
- Goldene
- Herrin der Sykomore
- Auge des Ra