Beziehungslegung
Die Beziehungslegung ist eine Tarot-Spread, die speziell auf Partnerschafts- und Beziehungsfragen zugeschnitten ist. Sie zeigt nicht nur die Sicht des Fragers, sondern auch die seines Gegenübers und das, was zwischen beiden geschieht. Die häufigste Form ist die Du / Ich / Wir-Legung mit drei Säulen, daneben gibt es das Liebes-Hexagramm mit sechs oder sieben Karten, sowie längere Beziehungsspreads mit neun oder mehr Karten. Sie ist die wohl emotional dichteste Spread des Tarot.
Ursprung der Legung
Die Beziehungslegung ist eine relativ junge Form. Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich das Tarot eher mit Schicksalsfragen, Gesundheit und Wohlstand — Liebesfragen wurden von der Mlle. Lenormand und ihren Schülerinnen behandelt, oft mit Decks wie dem Lenormand. Erst im 20. Jahrhundert, mit der Popularisierung des Tarot durch das Rider-Waite-Deck und der psychologischen Lesart durch Eden Gray und später Mary K. Greer, entstanden spezifische Beziehungslegungen.
Die Du / Ich / Wir-Legung wurde in den 1980er Jahren als Standard-Spread populär. Das Liebes-Hexagramm mit zwei Dreiecken übereinander — ein nach unten, eines nach oben — wurde von Tarot-Lehrerinnen wie Hajo Banzhaf im deutschsprachigen Raum entwickelt und erfreut sich im 21. Jahrhundert großer Beliebtheit. Im französischen Raum ist die tirage de l'amour verbreitet, im italienischen die stesa dell'amore. Alle teilen das gemeinsame Anliegen: Beziehungen sind nicht eine Sache, sondern ein dynamisches Spiel zwischen zwei Bewusstseinen.
Aufbau der Legung
In der einfachen Du / Ich / Wir-Variante werden drei Säulen mit je einer oder mehreren Karten gelegt. Die linke Säule zeigt die Energie und die Sicht des Partners, die rechte Säule die des Fragers, die mittlere Säule die gemeinsame Energie, das Wir, was zwischen beiden lebendig ist. Diese einfache Form macht sichtbar, dass eine Beziehung drei Subjekte hat: dich, mich und uns. Oft ist das Wir die überraschendste Karte — mal harmonisch, mal konfliktreich.
Im Liebes-Hexagramm liegen sechs oder sieben Karten. Drei Karten bilden ein Dreieck nach oben (Mann, Frau, Liebe), drei Karten ein Dreieck nach unten (Erfahrung beider und Zukunft) — sieben, wenn ein zentraler Brennpunkt hinzukommt. Diese Form ist der Stern Davids, ein altes Symbol der Vereinigung. Längere Beziehungsspreads mit neun oder zwölf Karten zeigen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beider Partner und ihrer gemeinsamen Bahn. Welche Form du wählst, hängt davon ab, wie tief du gehen willst und wie viele Karten du gleichzeitig deuten kannst.
In der Praxis
Bevor du eine Beziehungslegung machst, formuliere die Frage klar: Geht es um eine bestehende Partnerschaft? Um eine neue Begegnung? Um die Klärung, ob die Beziehung weiterleben soll? Die Antwort des Tarot wird so präzise sein wie die Frage. Ziehe nicht aus Eifersucht oder im Affekt — die Karten spiegeln dann oft nur deinen eigenen Zustand. Achte auf Hofkarten: Sie konkretisieren die beteiligten Personen.
Eine ungerade Verteilung der Karten kann besonders sprechen: Wenn du viele Kelche auf deiner Seite hast und der Partner viele Schwerter, gibt es ein Ungleichgewicht von Gefühl und Verstand. Wenn das Wir aus Stäben besteht, ist die Beziehung leidenschaftlich-bewegt, aus Münzen verlässlich-geerdet. Im Liebes-Tarot sind diese Spreads zentral. Das Rider-Waite-Tarot ist hier besonders aussagekräftig.
Symbolische Tiefe
Die Beziehungslegung hat philosophische Tiefe: Sie spricht aus, was Hegel die Anerkennung nannte — dass das Selbst nur durch das Andere zu sich kommt. In den Karten der mittleren Säule, dem Wir, zeigt sich nicht ein Drittes, das addiert wird, sondern eine eigene Realität, die zwischen den Liebenden entsteht. Im taoistischen Sinn ist das Wir das tao der Beziehung — der Weg, den keiner allein bestimmt. Im jüdischen Denken ist es die brit, der Bund, der mehr ist als die Summe der Bündner.
In der psychologischen Tarot-Lesart, wie sie etwa Hajo Banzhaf entwickelte, ist die Beziehungslegung auch eine Selbsterkenntnis-Legung. Was du an deinem Partner siehst, sind oft eigene Anteile — die Anima oder der Animus nach Carl Gustav Jung. Eine Beziehungslegung kann darum nie nur das Außen abbilden; sie zeigt zugleich, was in dir am Anderen anklingt. Wer das versteht, liest Beziehungslegungen demütiger und genauer. Siehe auch Glossar und Tarot-Übersicht.
Auch bekannt als
- Liebeslegung
- Partnerlegung
- Liebes-Hexagramm
- Tirage de l'Amour
- Du-Ich-Wir-Spread