Anubis
Anubis (ägyptisch Inpu) ist der ägyptische Gott der Mumifizierung, der Totenwacht und der Seelenführung. Mit Schakalskopf und schwarzem Fell ist er der Wegweiser durch die Duat, der Hüter der Nekropolen und der priesterliche Einbalsamierer, der die Heilkraft der Salben kennt. Er wiegt im Totengericht das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Maat.
Mythos und Ursprung
Anubis ist einer der ältesten ägyptischen Götter und tritt schon in der ersten Dynastie (etwa 3000 v. Chr.) auf Königsstelen auf. Die Pyramidentexte (etwa 2400 v. Chr.) nennen ihn vielfach als Schutzgott des verstorbenen Pharaos und Erfinder der Mumifizierung. Sein Hauptkultort war Kynopolis ('Hundsstadt') in Mittelägypten sowie die große Schakalsnekropole von Saqqara. Die Wahl des Schakals ergibt sich aus der Beobachtung, dass diese Tiere in der Wüste an den Friedhöfen umherstreiften - die Ägypter machten den potenziellen Leichenfresser zum Beschützer der Toten.
In früher Zeit galt Anubis als Sohn des Ra oder als Sohn der Bastet. Im weiterentwickelten Osiris-Mythos wird er zum Sohn der Nephthys, die ihn heimlich vom Osiris empfing und aus Furcht vor Seth aussetzte. Isis fand und zog ihn auf, sodass er ihr treuer Helfer wurde. Als Osiris von Seth ermordet wurde, war es Anubis, der seinen Körper einbalsamierte und die erste Mumie schuf - daher gilt er als Patron aller Einbalsamierer. Plutarch in Über Isis und Osiris deutet ihn als Grenzgott zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.
Attribute und Geschichten
Anubis' Attribute sind der Schakalskopf, das schwarze Fell (Farbe der Mumifizierung, des Nilschlamms und der Wiedergeburt), die Geißel, das Imiut-Fetisch (eine ausgehöhlte Tierhaut auf einem Stab) und der Was-Stab. Er trägt häufig die Beinamen Imiut ('der in seinen Binden ist'), Chenti-Imentiu ('der den Westlichen vorsteht') und Tepi-Dju-ef ('der auf seinem Berg ist', also auf der Nekropole). Während der siebzigtägigen Einbalsamierungsrituale trug der oberste Priester eine Anubis-Maske, von denen mehrere Exemplare erhalten sind.
Im Totengericht hat Anubis seine zentrale Rolle: Er führt den Verstorbenen in die Halle der zwei Wahrheiten, wo die Herzwägung stattfindet. Auf der einen Waagschale liegt das Herz (ib), auf der anderen die Feder der Maat. Anubis prüft die Waage und gibt das Ergebnis an Thoth weiter, der es niederschreibt, während die Ammit, eine Mischung aus Krokodil, Löwe und Nilpferd, darauf wartet, das Herz der Sünder zu fressen. Spruch 125 des Totenbuchs (etwa 1550 v. Chr.) beschreibt diese Szene detailliert. Anubis ist auch der Psychopompos, der die Seele durch die zwölf Stunden der Nacht und die sieben Pylonen des Jenseits führt.
Im modernen Kontext
Anubis wurde in der griechisch-römischen Zeit mit Hermes verschmolzen zu Hermanubis, einer Figur, die in Pompeji und an vielen anderen Orten verehrt wurde. Jung sah in Anubis einen Archetyp des inneren Wächters und Begleiters durch die Tiefe der Psyche - parallel zum Hermes-Psychopompos. James Hillman beschreibt in The Dream and the Underworld ihn als Wesen, das in jedem Traum präsent ist, der von Tod und Wandlung handelt.
In moderner Esoterik, in Tarot-Traditionen und in der Hollywood-Mythologie (von Stargate bis The Mummy) ist Anubis ein Bildikon. Astrologisch wird er mit dem Skorpion, dem achten Haus, Pluto und dem Saturn als Hüter der Schwellen verbunden. Wer im Test Entdecke deine mythologische Gottheit Anubis zugewiesen bekommt, fühlt sich oft zu Berufen der Trauerbegleitung, Palliativpflege, Bestattung, Psychotherapie oder forensischen Arbeit hingezogen.
Symbolische Tiefe
Im Tarot entspricht Anubis vor allem Der Tod (Arkanum XIII) als Schwellenwächter und Begleiter der Transformation, sowie Die Gerechtigkeit (XI/VIII) durch die Herzwägung. Der Eremit (IX) trägt seine Funktion als einsamer Wegweiser durch die Nacht. Im Thoth Tarot erscheint er auf dem Mond-Arkanum.
Esoterisch ordnet die Kabbala Anubis dem Pfad des Tav, der Sephira Malkuth mit Yesod verbindet, sowie teilweise Geburah (Strenge, notwendiges Ende) zu. Symbolisch lehrt Anubis, dass der Tod kein Ende, sondern eine geleitete Schwelle ist und dass die Würde des Verstorbenen die Würde der Lebenden bestätigt. Weitere Verbindungen findest du im Glossar-Hub und unter Schattenarbeit.
Auch bekannt als
- Inpu
- Anpu
- Hermanubis
- Chenti-Imentiu
- Imiut